Innsbruck/Wien. Der Rechnungshof (RH) ortet einen zu laxen Umgang mit den Nebenbeschäftigungen von Universitätsprofessoren. In einem am Freitag veröffentlichten Bericht fordert er konkretere Regelungen und regelmäßige Erinnerungen an die Meldeverpflichtungen samt Verweis auf mögliche Sanktionen bei Nicht- oder Falschmeldungen. Mehr Transparenz könnte laut RH ein öffentliches Register wie in der Schweiz bringen.

Im Kollektivvertrag ist verankert, dass Nebenbeschäftigungen gemeldet werden müssen. Ansonsten droht eine Kündigung. Was eine Beeinträchtigung "wesentlicher dienstlicher Interessen" in der Praxis bedeutet, ist allerdings laut RH weder an der Uni Wien noch an der Uni Innsbruck präzise geregelt. Für den Bericht hat der RH dort die gemeldeten Nebenbeschäftigungen zwischen 2013 und 2016 untersucht.

Weniger gemeldet

Ein überraschendes Ergebnis: Obwohl an der Uni Wien fast doppelt so viele Professoren beschäftigt waren, gab es dort nur halb so viele Meldungen zur Nebenbeschäftigung wie in Innsbruck (200 versus 376). Außerdem gab es eine große Diskrepanz bei der gemeldeten Zahl der (Privat-)Gutachten: Während diese in Innsbruck laut Meldungen 13 Prozent der Nebenbeschäftigungen ausmachten, waren es in Wien nur zwei Prozent. Der RH vermutet deshalb an der Uni Wien "Lücken hinsichtlich der Meldung". Der Großteil der Nebentätigkeiten entfällt an beiden Unis auf Lehrtätigkeit (38 Prozent in Wien, rund 27 Prozent in Innsbruck).

Der RH fordert die Unis auf, die Professoren regelmäßig an ihre Meldepflicht und an die Folgen der Nichteinhaltung zu erinnern. Außerdem sollen die Meldungen so gestaltet sein, dass die Uni Rückschlüsse auf den Inhalt und Berührungspunkte zur Tätigkeit an der Uni ziehen kann. Für den Fall, dass die Professoren für außergerichtliche Gutachten Personal oder Sachmittel der Uni nutzen, sollten die Unis prüfen, ob sie Kostenersatz einfordern.