Im Zuge des Klimaabkommens haben EU-Kommission und die EU-Staaten eigene, konkrete Ziele für die Reduktion der Treibhausgase festgelegt. Bis 2030 sollen EU-weit 30 Prozent gegenüber 2005 eingespart werden, wobei je nach Stand und Wirtschaftsleistung die einzelnen Länder unterschiedliche Vorgaben haben. Österreich muss 36 Prozent einsparen.

Wer die Vorgaben verfehlt, muss von einem anderen EU-Staat, der seine Ziele übererfüllt hat, bilateral CO2-Zertifikate zukaufen. Das Geld dafür muss der Bund aufbringen, es fließt in die jeweiligen Länderbudgets und darf nur für Klimamaßnahmen ausgegeben werden. Bis Ende des Jahres haben die EU-Staaten Zeit, der Kommission einen detaillierten Plan vorzulegen, wie sie ihre Ziele erreichen wollen. In Österreich wird dafür gerade die Klimastrategie "Mission 2030" im Umweltministerium erstellt. Viel Konkretes daraus ist noch nicht bekannt. Man sei in der Finalisierungsphase, heißt es auf Nachfrage. Einer der größten Brocken im Kampf gegen den CO2-Ausstoß ist hierzulande der Verkehr.

Derzeit sieht es nicht danach aus, dass besonders viele Staaten ihre Vorgaben erfüllen werden, auch Österreich nicht. Hier steigen die Treibhausgase laut Umweltbundesamt seit vier Jahren und liegen deutlich über dem vorgegebenen EU-Zielpfad. Wenn keine weitreichenden Maßnahmen gesetzt werden, muss auch Österreich CO2-Zertifikate zukaufen. Wenn besonders viele Staaten ihre Ziele nicht oder nur knapp erfüllen, werden die Zertifikate aber rar und teuer. Wohl auch deswegen hat das Umweltministerium die Kosten für mögliche Strafzahlungen jetzt schon mit 1,3 bis 6,6 Milliarden Euro so breit kalkuliert, wie eine parlamentarische Anfragebeantwortung zeigt.

Hat es in Anbetracht all dessen dann überhaupt Sinn, sich weiter für den Klimaschutz zu engagieren, Geld und Energien zu investieren und damit gleichzeitig den wirtschaftlichen Erfolg zu riskieren? Und das alles, obwohl zum Beispiel Österreich mit einer Fläche von rund 84.000 Quadratkilometern nicht mehr als ein Pünktchen ist in Anbetracht der Welt?

Energiemix ganz unterschiedlich

Denn einige Großstaaten wie China sind zwar extrem ambitioniert - Benzin- und Dieselautos sollen hier ab 2030 verboten werden. Genau gegenteilig agieren im Moment aber die USA. Diese haben Mitte 2017 angekündigt, 2020 aus dem Klimaschutzabkommen von Paris auszusteigen. Der Grund dafür: Es habe die US-Unternehmen im Wettbewerb mit anderen Ländern, darunter China, schlechtergestellt. Er wolle die Interessen des amerikanischen Volkes beschützen, sagte US-Präsident Donald Trump. Diese lägen auch im Kohleabbau. Das Verbrennen von Kohle ist für die Hälfte der jährlichen CO2-Emissionen verantwortlich.

Es sei noch nicht zu spät, sagt dazu Klimaforscherin Helga Kromp-Kolb im Interview (siehe rechts). Die Klimaziele seien trotz allem zu schaffen - wenn man nur will. EU-weit stehen die einzelnen Staaten vor ganz unterschiedlichen Herausforderungen im Bestreben, ihre Treibhausgase nach unten zu drosseln. Das vor allem, weil der Energiemix in den einzelnen Ländern unterschiedlich ist. Während in Österreich die Wasserkraft sehr stark ausgebaut ist, setzen andere Staaten nach wie vor auf Kohleabbau und Atomenergie.