Inwieweit spielt die Klimapolitik bei der EU-Wahl am 26. Mai eine Rolle?

Das Climate Action Network (Dachverband von mehr als 1300 umweltpolitischen Nichtregierungsorganisationen aus 120 Ländern, Anm.) hat die verschiedenen Parteien hinsichtlich Klima- und Umweltfragen analysiert und in drei Kategorien unterteilt: die Umweltverteidiger, die Verzögerer und die Dinosaurier, die am Fossilen festhalten. Auch für Österreich gibt es eine Analyse. In die Kategorie Verteidiger fallen die Grünen, knapp gefolgt von der SPÖ, zu den Verzögerern zählen Neos und die FPÖ und zu den Dinosauriern die ÖVP.

Angenommen, die Europäische Union setzt sämtliche Maßnahmen um. Könnte damit die globale Erwärmung tatsächlich gestoppt werden - trotz des Ausstiegs der USA aus dem Klimaabkommen?

Ja. Wir könnten es auch ohne Amerika schaffen. Amerika verfolgt ja auch nicht in seiner Gesamtheit das Prinzip seines Präsidenten. Es gibt viele Städte und große Firmen, die klimabewusst agieren. Eine ganz entscheidende Rolle spielt außerdem China. China tut relativ viel für den Klimaschutz, weil es ja selbst stark von den Folgen der Luftverschmutzung betroffen ist. Das heißt, das Reinhalten der Luft geht Hand in Hand mit dem Klimaschutz. Die Chinesen bauen Städte mit einem wirklich guten, öffentlichen Verkehrsnetz, das elektrisch gespeist wird. Sie sind da sehr erfinderisch und haben auch den technologischen Hintergrund dazu. Außerdem legen sie Kohlekraftwerke still und ersetzen sie durch Anlagen für erneuerbare Energien.

Wo wird sich der Klimawandel letztendlich entscheiden?

In den Schwellen- und Entwicklungsländern wie Indien oder Afrika. Wenn die Menschen in diesen Ländern versuchen, unsere Lebensstandards mit den Mitteln zu erreichen, wie wir es gemacht haben, explodiert die Situation. Daher ist es unsere Aufgabe, ihnen zu zeigen, dass wir erkannt haben, dass wir einen anderen Weg gehen müssen. Dass dieser Weg ein Fehler war. Das ist unsere Rolle: Vorbild zu sein.