Salzburg. Die Bildungsdirektion für Salzburg hat im Auftrag des Ministeriums die umstrittene Weinbergschule in Seekirchen am Wallersee geschlossen. Der Schulleitung ist der Bescheid zum Erlöschen des Rechts auf Schulführung bereits übermittelt worden, teilte das Land am Freitag mit. Der Bescheid gilt mit sofortiger Wirkung. Die 18 Schüler sollen nun in Pflichtschulen untergebracht werden.

Die seit 2006 von der Gemeinschaft der "Werktätigen Christen" geführte Privatschule hatte im Herbst 2017 für negative Schlagzeilen gesorgt. In einem ORF-Bericht hatten Aussteiger von sozialer Isolation und Gewalt berichtet. Am Standort der Internatsschule, dem Zachhiesenhof, wurden ökologische Landwirtschaft und Kindererziehung verschränkt. Kritiker orteten dabei aber nicht nur "sektenähnliche" Strukturen, vor allem die Verwendung einer auf der russischen Schetinin-Schule basierenden Lernmethode stieß vielfach auf Ablehnung.

Argumentiert wurde der Entzug des Rechts auf die Schulführung nun mit zahlreichen "schwerwiegenden Gründen". So wird nicht nur die praktizierte Unterrichtsmethode infrage gestellt, die Behörde sah sich offenbar auch aus Sorge um das Kindeswohl zum Handeln gezwungen. Zudem wurden nicht genehmigte Räume als Unterrichtszimmer benutzt.

Die Schule wurde neben Kindern aus dem Bundesland Salzburg auch von Schülern aus anderen Teilen Österreichs und aus Deutschland besucht. Das Land will die Kinder und deren Eltern nun bestmöglich unterstützen, um den möglichst reibungslosen Übergang in eine Pflichtschule zu schaffen. Für betroffene Eltern wurde eine Hotline in der Bildungsdirektion eingerichtet, teilte Bildungslandesrätin Maria Hutter (ÖVP) mit. Und: Für die sieben Kinder aus Salzburg habe man bereits Plätze an Schulen an ihren jeweiligen Hauptwohnsitzen sichergestellt.

Grüne begrüßen Schritt von Faßmann

Der grüne Bundesrat David Stögmüller richtete in der Vergangenheit mehrere Anfragen an ÖVP-Bildungsminister Heinz Faßmann zur sektioden Schule, wie auch zur dort angewandten Lais-Methode. "Dass das Bildungsministerium endlich reagiert ist absolut richtig, aber es ist viel zu spät. Man hätte den Kindern schon deutlich früher helfen können und vor allem müssen", kritisiert Stögmüller. Die sektenähnlichen Zustände seien dem Bildungsministerium und der Bildungsdirektion bereits lange bekannt gewesen, schreibt er in einer Stellungnahme. "Neben der äußerst bedenklichen Isolation der Kinder haben diese dort auch keine adäquate Ausbildung genossen. Es ist mir ein Rätsel, wieso man hier so lange zugesehen hat", so Stögmüller. 

Die Schließung der Weinbergschule allein reicht dem Grünen allerdings nicht. Die in der Weinbergschule verwendete LAIS-Methode werde in immer mehr Schulen mit Öffentlichkeitsrecht eingeführt. "Bildungswissenschaftlich sind die Versprechungen und Inhalte, die von den Protagonisten beworben werden, unhaltbar. Inhaltlich und personell gibt es zahlreiche Überschneidungen mit der rechtsextremen und verschwörungstheoretischen Szene und dem Milieu der Staatsverweigerer", sagt Stögmüller. In ihrem letzten Jahresbericht beschäftigte sich auch die Bundesstelle für Sektenfragen intensiv mit dem Phänomen. Auch die Kinder- und Jugendanwaltschaften (KJA) haben sich in einem Positionspapier mit dem oft von verschwörungsideologischen oder esoterischen Szenen missbrauchten Recht auf häuslichen Unterricht auseinandergesetzt. Sie fordern eine Vergabe des Rechts auf häuslichen Unterricht nur mehr in begründeten Ausnahmefällen und verlangen Transparenz und Kontrolle in den Lerngruppen und Lais-"Schulen". Die KJA verlangt das Recht, die Gruppen besuchen zu können, Kinder und Jugendliche sollen sich der KJA anvertrauen können. (apa/rei)