Ibiza/Wien. Kurz vor der EU-Wahl steht Vizekanzler Heinz-Christian Strache schwer unter Druck. Deutsche Medien haben am Freitag ein Video veröffentlicht, das Vizekanzler Heinz-Christian Strache (FPÖ) belastet. In den laut "Spiegel" und "SZ" vor der Nationalratswahl 2017 auf Ibiza gefilmtem Aufnahmen erklärt Strache einer vermeintlichen Nichte eines russischen Oligarchen, wie sie verdeckte Parteispenden an die FPÖ schleusen könnte. Tatsächlich seien die genannten Spenden nie eingangen, so Strache laut den Medien.

Dem Bericht zufolge war die Russin ein Lockvogel, das Gespräch wurde heimlich mitgefilmt. In den Aufnahmen, die "Spiegel" und "Süddeutscher Zeitung" zugespeilt und am Freitag veröffentlicht wurden, berichtet Strache davon, dass "ein paar sehr Vermögende" im Wahlkampf zwischen 500.000 und zwei Millionen Euro über einen gemeinnützigen Verein an die FPÖ bezahlen würden. An den Rechnungshof gemeldet werde das Geld nicht.

Staatsaufträge angeboten

- © Screenshot Spiegel.de
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Den Berichten zufolge soll Strache der Frau, die angeboten habe, bei der "Kronen Zeitung" einzusteigen und Strache danach zu unterstützen, für den Fall einer Regierungsbeteiligung Staatsaufträge angeboten haben.

Als Spender im Wahlkampf 2017 nennt Strache unter anderem den Waffenfabrikanten Gaston Glock, die Milliardärin Heidi Goess-Horten, den Unternehmer Rene Benko sowie den Glücksspielkonzern Novomatic. Alle vier dementierten umgehend, dass sie an die FPÖ gespendet hätten. Auch Strache und FP-Klubchef Johann Gudenus, der im Video als Übersetzer für die Russin fungiert, erklärten laut "Spiegel" und "SZ" , die Spenden seien nie eingegangen.

"Die Ibiza-Affäre": Das Cover der aktuellen "Spiegel"-Ausgabe über das heimlich aufgenommene Video von Vizekanzler Heinz-Christian Strache. - © APAweb, Screenshot
"Die Ibiza-Affäre": Das Cover der aktuellen "Spiegel"-Ausgabe über das heimlich aufgenommene Video von Vizekanzler Heinz-Christian Strache. - © APAweb, Screenshot

Kurz meldet sich erst am Samstag

Von Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) gab es am Freitagabend vorerst keine Stellungnahme zur Affäre um seinen Vizekanzler Heinz-Christian Strache. Ein Sprecher des Kanzlers kündigte auf APA-Anfrage eine Stellungnahme für Samstag an.

Der Rechnungshof (RH) fordert nach der Veröffentlichung eines Videos durch deutsche Medien, in dem Vizekanzler und FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache unter anderem über verdeckte Parteienfinanzierung spricht, Aufklärung. "Der Rechnungshof sieht sich veranlasst, von der FPÖ Aufklärung zu verlangen", twitterte RH-Sprecher Christian Neuwirth am Freitagabend.