Wien. Die Partei Einiges Russland von Präsident Wladimir Putin unterhält nicht nur ein enges Verhältnis zu so gut wie allen rechtspopulistischen und rechtsextremen Parteien in Europa, auch zur FPÖ. Sie alle setzen sich für ein Ende der vor dem Hintergrund des Ukraine-Konflikts gegen Russland verhängten EU-Sanktionen ein, nicht selten fließen auch großzügige Kredite aus Moskau.

Das nun von deutschen Medien veröffentliche Video, das Vizekanzler Heinz-Christian Strache und Klubchef Johann Gudenus (beide FPÖ) belastet, wirft nun ein neues Licht auf diese Beziehungen. In den laut "Spiegel" und "SZ" vor der Nationalratswahl 2017 auf Ibiza gefilmtem Aufnahmen erklärt Strache einer vermeintlichen Nichte eines russischen Oligarchen, wie sie verdeckte Parteispenden an die FPÖ schleusen könnte.

Seit 2007 Annäherung an Russland

Seit 2007 setzte FPÖ-Chef Strache auf eine Annäherung seiner Partei mit Russland: Nachdem die FPÖ Russland im Georgien-Krieg 2008 verbal unterstützt hatte, hochrangige FPÖ-Politiker das umstrittene "Krim-Referendum" 2014 beobachteten, ist die politische Kooperation mit der Unterzeichnung der Vereinbarung zwischen FPÖ und Kreml-Partei "Einiges Russland" nun am Höhepunkt angekommen.

Zu Beginn seiner politischen Laufbahn hatte Strache noch die Schleifung des "Heldendenkmals der Roten Armee" am Wiener Schwarzenbergplatz gefordert, das der damals 22-jährige FPÖ-Bezirksrat in Wien-Landstraße im Mai 1992 als ein "mit allen ideologischen Symbolen versehenes Triumphmal eines ideologischen Eroberers" bezeichnete.

Die Initiative des Nachwuchspolitikers Strache stand in einer jahrzehntelangen Tradition seiner Partei, die seit der Gründung in den 1950er-Jahren stets stramm antisowjetisch aufgetreten war. Die Abneigung war wechselseitig - auch sowjetische Medien wetterten wiederholt gegen die österreichische Partei, die ihr Negativimage zunächst auch im postsowjetischen Russland bewahrte.

Gudenus hat in Russland studiert

Noch 2000 kritisierte etwa der für seine radikalen Sprüche bekannte Rechtspopulist Wladimir Schirinowski, der gleichzeitig als Kreml-nah gilt, die FPÖ-Beteiligung an der österreichischen Bundesregierung und wollte selbst nicht mit dem damaligen FPÖ-Obmann Jörg Haider verglichen werden. Obwohl Haider als Kärntner Landeshauptmann vor allem wirtschaftlich motivierte Kontakte nach Russland pflegte, war von politischen Partnerschaften der FPÖ mit russischen Parteien zunächst keine Rede.