Wien. Norbert Hofer ist in der Sitzung des FPÖ-Bundesparteipräsidiums am Sonntag einstimmig zum neuen Parteichef der FPÖ designiert worden. Das gab die Partei am Abend via Presseaussendung bekannt. Bei der nächsten Sitzung des Bundesparteivorstandes, die nach der Europawahl stattfinden wird, soll diese Entscheidung formal bestätigt werden, hieß es.

Der designierte FPÖ-Obmann Norbert Hofer wird sich am Montag den Medien stellen, und zwar gemeinsam mit dem mit Rücktrittsaufforderungen konfrontierten Innenminister Herbert Kickl. Für 10:30 Uhr ist eine "Presseerklärung nach dem Parteipräsidium" angesetzt.

Dem Vernehmen nach hätten vier Männer Anspruch auf die Obmannschaft erhoben. Darunter sollten die Minister Kickl und Norbert Hofer sowie der oberösterreichische Obmann Manfred Haimbuchner gewesen sein. Hofer hat auf dem Weg zur Gremiensitzung heute bereits ein Werbevideo in eigener Sache online gestellt.

Die Präsidiumssitzung selbst haben die Blauen im Geheimen abhalten und auch nichts dazu kommunizieren. Man kann aber davon ausgehen, dass dort nicht nur Freundlichkeiten ausgetauscht wurden. So hat der oberösterreichische Landeschef und Landeshauptmann-Stellvertreter Haimbuchner bereits am Samstag scharfe Kritik geübt. Er bezeichnete das Ibiza-Video als "ungustiös und desaströs" und kündigte an, sich in Wien stärker einbringen zu wollen. "Ich denke, das ist notwendig", so Haimbuchner.

2017 Bruch zwischen Haimbuchner und Strache

Zwischen Strache und Haimbuchner, der in Oberösterreich in einer Regierung mit der ÖVP ist, war es während der Regierungsbildung in Wien Ende 2017 zu einem Bruch gekommen, weil Haimbuchner nicht für das Team für die Koalitionsverhandlungen mit der ÖVP nominiert wurde. Entsprechend gab es während der Regierungszeit immer wieder Querschüsse aus Oberösterreich.

Ganz anders positionierte sich gestern die niederösterreichische Partei unter Udo Landbauer, der in der Liederbuch-Affäre von Strache gestützt wurde. Er schoss sich auf Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) ein und warf diesem Erpressung vor. Für Verwirrung sorgte eine Whatsapp-Nachricht Straches an freiheitliche Spitzenfunktionäre vom Samstagabend, in der er schrieb, dass der Wiener Vorstand einstimmig auf seinen Verbleib als Landesparteiobmann bestehe. Eigentlich hat Strache seinen Abgang angekündigt. In der Wiener Partei wollte man seinen Abgang nicht fix bestätigen und verwies auf die Gremien.

Für die mächtige Wiener Landesgruppe ist der Ibiza-Skandal ein besonderes Fiasko. Sie verliert mit Strache und Johann Gudenus gleich zwei Führungspersonen. Der Abgang Straches ist aber für die gesamte FPÖ ein Schock, auch wenn er vor allem von alten FPÖlern aus gehobeneren Bildungsschichten mitunter skeptisch beäugt wurde. So hat er doch die Partei nach ihrer Zertrümmerung vor 14 Jahren infolge der ÖVP-FPÖ-Regierung unter Wolfgang Schüssel aus der Krise geführt und erstarken lassen. Ironie des Schicksal, dass ausgerechnet er sie auch wieder in eine schwere Krisen stürzt. (apa)