Wien. Politische Beobachter reagierten zuerst einigermaßen verwundert über die Tatsache, dass auch am Sonntag – nach dem Ende der ÖVP-FPÖ-Koalition in Gefolge des bizarren Strache-Video-Skandals – FPÖ-Minister Herbert Kickl noch im Amt war.

Kickl ist Minister des derzeit wohl sensibelsten Ministeriums: Seine Ermittlungsbehörden sollten seit dem Bekanntwerden des Videos, eigentlich gegen Strache, Gudenus und wohl auch gegen den derzeitigen FP-Geschäftsführer Harald Vilimsky ermitteln. Ex-FP-Vizekanzler Heinz Christian Strache hat – wie am Freitag nach Enthüllungen des Magazins "Spiegel" und der "Süddeutschen Zeitung" einer breiteren Öffentlichkeit bekannt wurde - einer vermeintlichen russischen Oligarchennichte Bauaufträge, Wasserrechte und andere Geschäfte gegen illegale Parteispenden für die FPÖ angeboten. Ex-FPÖ-Klubchef Johann Gudenus (der bei den heimlich in einer Finca in Ibiza gefilmten Konversationen übersetzt hat und nach dem Bekanntwerden des Skandals am Sonntag aus der FPÖ ausgetreten ist) ist ebenfalls tief in den Skandal verwickelt.

Der "Kurier" berichtet von ÖVP-"Insidern", die von Anfang an versucht hätten, "der FPÖ klar zu machen, dass das Strache-Video Ermittlungen und Aufklärung erforderlich mache. Und dass Justiz und Polizei unabhängig ermitteln müssten." Kanzler Kurz sagt dazu gegenüber dem "Kurier": "Klar ist, dass Herbert Kickl nicht gegen sich selbst ermitteln kann." Kickl war nämlich – als die von Strache erwähnten illegalen Gelder an die FPÖ geflossen sein sollen – Generalsekretär der FPÖ und ist somit auch Ermittlungsgegenstand.

"Ich gehe davon aus, dass der Bundeskanzler dem Bundespräsidenten auch vorschlagen wird, den Innenminister aus der Regierungsverantwortung zu entlassen", sagte Kanzleramtsminister Gernot Blümel (ÖVP) am Sonntagabend in der ZiB 2 des ORF. Das weitere Vorgehen sei dann eine gemeinsame Entscheidung der beiden.

Kickls Ministerium ist aber auch als Wahlbehörde für die Vorbereitung der vorgezogenen Nationalratswahlen (derzeit wird über einen Wahltermin im September diskutiert, als wahrscheinlichster Termin gilt derzeit der 15. September) verantwortlich.

Daher hagelte es aus diesen zwei Gründen gegen Kickl Rücktrittsaufforderungen – nicht nur von Seiten der Opposition.

Auf Facebook hat Kickl am Sonntag reagiert: "Bundeskanzler Kurz und Bundespräsident Van der Bellen verlangen meinen Rücktritt als Innenminister", schrieb er auf Facebook. "Ich soll in ein anderes Ressort wechseln, dann 'dürfen" alle anderen bleiben'".