Wien. Verkehrsminister Norbert Hofer und Innenminister Herbert Kickl sind am Montagvormittag vor die Presse getreten. Erwartungsgemäß war das Medieninteresse groß. Aber nicht nur etliche Kamerateams und Journalisten waren anwesend, auch ein zweistelliges Polizeiaufgebot bewachte die Klubräumlichkeiten in der Wiener Doblhoffgasse hinter dem Parlament.

Hofer kritisierte einführend das Verhalten Straches im veröffentlichten "Ibiza-Video". Er betonte, dass mit den Parteifinanzen der FPÖ alles in Ordnung sei. Er wolle die Parteifinanzen außerdem durch einen externen Experten prüfen lassen. Außerdem will die Partei eine Liste mit allen Parteispenden veröffentlichen. "Freilich geschwärzt", wie Hofer sagte.

Hofer erklärte außerdem, dass er weder in der ÖBB noch in der Asfinag Posten umgefärbt habe. Es wäre ihm auch niemals eingefallen, Strabag-Miteigentümer Hans Peter Haselsteiner keine Aufträge mehr zu gewähren.

"Ich werde meine Art, Politik zu machen, auch in meiner neuen Funktion nicht verändern", sagt der nunmehrige FPÖ-Chef. Er bedankte sich bei seiner Familie für ihr Verständnis und bei "allen Regierungsmitgliedern, auch bei Gernot Blümel". Weiters versprach Hofer, "dass es keinen Schmutzkübel-Wahlkampf geben werden. Ich bin dafür nicht zu haben." Hofer war nach Straches Rundumschlag und der Ankündigung, die Medienlandschaft nach ungarischem Vorbild umbauen zu wollen, sichtlich bemüht das Verhältnis zu den Medien zu glätten. Er lobte die anwesenden Journalisten – die Strache in den "Ibiza-Tapes" noch als "Huren" verunglimpfte – und hob die Wochenzeitung "Falter" positiv hervor.

Kickl lobt seine Arbeit

Nach Hofer ergriff Herbert Kickl das Wort. Gab sich Hofer - wie bereits im Bundespräsidenten-Wahlkampf handzahm und versöhnlich - spielte Kickl die Rolle des "Bad Cops". Der Innenminister lobte seine eigene Arbeit und strich zwei Ziele hervor, nämlich, die Polizeiarbeit zu stärken und "im Asylwesen aufzuräumen". Beides sei ihm gelungen.

Gleichzeitig griff Kickl seine Kritiker frontal an. Er sprach sogar von einem "Putsch" und "unsäglichen Angriffen, die sogar über das Ausland gespielt wurden", seit er im Amt sei. Strenge Grenzkontrollen, eine Trendwende in der Asyl- und Migrationspolitik oder konsequente Abschiebungen seien vor allem der FPÖ zu verdanken. Doch genau diese Erfolge hätten immer mehr Kritiker auf den Plan gerufen.

Die "Ibiza-Tapes" kritisierte Kickl als "illegal angefertigt". Er war trotzdem vom Verhalten von Strache und Gudenus schockiert. Es gehe nun darum, das Vertrauen der Wähler wiederzugewinnen. Am Samstag hätte man sich mich der ÖVP bereits darauf geeinigt, dass man nach dem Rücktritt von Strache gemeinsam weiterregieren werde. Plötzlich hätte die ÖVP aber gefordert, dass er auch zurücktreten solle oder in ein anderes Ressort wechseln. Dann könne man weiter regieren, so Kickl.  Die Argumente der ÖVP, dass er als Innenminister nicht gegen sich selbst ermitteln könne, lässt Kickl nicht gelten. Auch beim Fall Strasser, wurde das Innenministerium von der Partei geführt, der auch der Beschuldigte angehörte.

Die Versuche der ÖVP, ihn loszuwerden, bezeichnete Kickl als "kalte und nüchterne Machtbesoffenheit aus den Tiefen der ÖVP" und verglich sie mit Straches Rausch in Ibiza. Bundespräsident Alexander Van der Bellen würde diese Absichten "hinter dem jungen Gesicht des Kanzlers" nicht erkennen. "Es gibt keine Staatskrise. Es gibt eine taktische Krise innerhalb der ÖVP."