Wien. Selbst der Rücktritt von Johann Gudenus als geschäftsführender FPÖ-Klubobmann gemeinsam mit Heinz-Christian Strache als Vizekanzler und FPÖ-Obmann am Samstag war da noch zu wenig. Kurz nachdem der "Spiegel" und die "Süddeutsche Zeitung" am Sonntag "neue Details" zur "Ibizia"-Affäre angekündigt hatten, teilte Gudenus via FPÖ-Pressedienst den Austritt aus der FPÖ mit - um dieser nicht noch mehr zu schaden.

Die deutschen Medien berichteten, dass Gudenus nicht nur bei dem im Sommer 2017 geheim aufgezeichneten Treffen Kontakt mit der vermeintlichen russischen Oligarchin auf Ibiza hatte. Der 42-Jährige hat Strache mit knapp 16 Jahren kennengelernt, war dessen enger Freund und ist in seinem Windschatten politisch aufgestiegen. Als Einfädler des Ibiza-Treffens wurde er letztlich zum Sargnagel Straches.

Gudenus ist eine ambivalente Person. Von Freunden wird er bodenständig "Joschi" genannt. Er entstammt einer ehemaligen Adelsfamilie. Sein 2016 verstorbener Vater, der langjährige FPÖ-Politiker John Gudenus, ist 2006 wegen Leugnung der Gaskammern in der NS-Zeit verurteilt worden.

Ausbildung in Russland

Sohn Johann fiel mit eleganten Auftritten auf, er verkörperte den cleveren freiheitlichen und im privaten Umgang höflichen Jungpolitiker. Dazu passte seine Ausbildung: Jusstudium, Besuch der Diplomatischen Akademie, regelmäßig Sommerkurse an der Lomonossow-Universität in Moskau, seine Russisch-Kenntnisse.

Politisch gab Johann Gudenus den stramm rechten Hardliner. Etwa als er vor der Nationalratswahl 2013 drohte, wenn die FPÖ den Innenminister stelle, werde es "Knüppel aus dem Sack für alle Asylbetrüger" heißen. In Wien nahm er die rot-grüne Stadtregierung nach der Flüchtlingskrise 2015 ebenfalls vorrangig ins Visier und geißelte deren asylwerberfreundliche Haltung.

In der Burschenschaft Vandalia war er Straches "Leibfuchs", der treue Verbindungsbruder. Mit Unterstützung des um sieben Jahre älteren Strache stieg Gudenus in Wien mit 19 Jahren zum jüngsten Bezirksrat auf, kam im Ring Freiheitlicher Jugend ans Ruder, wurde schließlich dessen FPÖ-Statthalter in Wien und galt als Favorit, die FPÖ als Spitzenkandidat in die Wiener Gemeinderatswahl 2020 zu führen. Im Parlamentsklub lastete die Arbeit als Klubchef aber auf den Schultern von Walter Rosenkranz.

Der Jurist Gudenus machte im vergangenen Jahrzehnt mit seiner außenpolitischen Linie, besonders mit seinen Russland-Kontakten und seiner Kreml-affinen Haltung auf sich aufmerksam. Sei es mit seinem Besuch beim tschetschenischen Machthaber Ramsan Kadyrow oder als Wahlbeobachter auf der von Russland annektierten Krim, wo er keine Verfehlungen sah. Ende 2016 war er dabei, als eine FPÖ-Spitzendelegation mit der Kreml-Partei "Einiges Russland" einen Kooperationsvertrag unterzeichnete. Das Netzwerk mit Russland machte nach dem FPÖ-Eintritt in die Bundesregierung im Dezember 2017 ausländische Geheimdienste hellhörig.

Seine Russland-Affinität wurde Gudenus nun zum Verhängnis. Dem Strache-Statthalter wird nicht nur die Rolle als Einfädler des Treffens mit der angeblichen russischen Investorin zugeschrieben. Er zeigte in der Video-Aufnahme aus der Villa in Ibiza die wenigsten Bedenken, dass es sich dabei um eine bewusst gestellte Falle für Strache und die FPÖ-Führung handeln könnte.

Eine ungewöhnliche Aussendung

Als dann die deutschen Medien auch noch auf weiteres Material verwiesen, wonach es nicht beim einzigen Treffen in Ibiza geblieben ist, war Straches enger Freund offensichtlich nicht einmal mehr als einfaches FPÖ-Mitglied tragbar. Schließlich schreibt der "Spiegel" sogar von einer verlangten "Geste des guten Willens" gegenüber der vermeintlichen Investorin. Und zwar in Form einer Parteiaussendung mit Vorwürfen gegen den Baukonzern Strabag von Hans Peter Haselsteiner. Eine solche Aussendung gab es tatsächlich am 4. September 2017. Allerdings nicht als Auftragsarbeit für Gudenus, wie jetzt von der FPÖ-Wien versichert wird.