Wien. Wenn Österreichs Bevölkerung weiterhin so wächst wie im Vorjahr, wird in vier Jahren die Neun-Millionen-Marke überschritten. Das ist insofern beachtlich, da Anfang der 1980er Jahre noch rund 7,5 Millionen Menschen hier lebten. Oder: Das Land ist seither um die Bevölkerung Salzburgs, Kärntens und Burgenlands zusammen gewachsen.

Das Wachstum allerdings hat sich in den vergangenen Jahren ein wenig reduziert, wie die aktuellsten Bevölkerungszahlen der Statistik Austria zeigen. Der Zuwachs (Stand 1. Jänner 2019) belief sich auf 36.508 Personen oder 0,41 Prozent. Das ist das geringste Plus seit sieben Jahren.

Der Grund für diese Entwicklung war, ist und bleibt die Zuwanderung. Seit Jahren nimmt die Zahl österreichischer Staatsbürgerinnen und Staatsbürger um ein paar tausend pro Jahr ab. Das war bis 2007 noch anders, denn bis dahin gab es noch mehr Einbürgerungen. Die schwarz-orange Regierung hatte dann aber 2006 ein restriktiveres Staatsbürgerschaftsrecht beschlossen, sodass die Zahl der Einbürgerungen binnen einem Jahr halbiert wurde. Statt zwischen 30.000 und 40.000 pro Jahr erhalten mittlerweile nur mehr 7000 bis 10.000 Personen jedes Jahr die österreichische Staatsbürgerschaft. Allerdings liegt das auch an einer geänderten Zuwanderungsstruktur.

Im Jahr 2002, noch vor der Erweiterung der Europäischen Union, betraf etwa ein Viertel der Neumeldungen in Österreich Personen aus der (damals deutlich kleineren) EU. Im vergangenen Jahr hat die EU-Zuwanderung fast 90 Prozent betragen. Für Unionsbürger aber spielt die Frage der Staatsbürgerschaft eine weitaus geringere Rolle. Mit einer Einbürgerung erhalten sie zwar das Wahlrecht in Österreich, ansonsten schützt sie aber das EU-Recht vor jedweder Benachteiligung gegenüber Inländern.

Werbung um Rumänen

Interessant ist, wie sich die Zuwanderung aus den verschiedenen Mitgliedstaaten in den vergangenen Jahren entwickelt hat. Die größte Gruppe ist nach wie vor jene der Deutschen. Auch wenn sich der Zuwachs abgeschwächt hat. Dennoch dürfte bald die 200.000er-Grenze erreicht werden. Ebenfalls bereits sechsstellig ist die Zahl der Rumänen. Mit einem Plus von mehr als 10.000 gemeldeten Personen verzeichnete diese Gruppe auch den stärksten Zuwachs. Im Jahr 2002, noch Jahre vor dem EU-Beitritt, registrierte die Statistik Austria 18.000 Personen mit rumänischer Staatsbürgerschaft.

Um Rumänen hat die heimische Wirtschaft vor einigen Jahren auch explizit gebuhlt, wie der Migrationsforscher August Gächter vom Zentrum für Soziale Innovation erzählt: "Sie waren auch für entlegenere Gebiete zu gewinnen", sagt er. Aus Daten des Sozialministeriums geht hervor, dass der überwiegende Teil der beschäftigten rumänischen Staatsbürger im Handel, dem Tourismus, in der Landwirtschaft und in Gärtnereien sowie am Bau arbeitet. Auch der Produktionssektor ist stark vertreten.