Wien. Diese Anfrage sei womöglich seine letzte Amtshandlung, sagt ein Sprecher des Sport- und Beamtenministeriums am anderen Ende der Leitung. Das Ministerium wurde bis zum Aufkommen der "Ibiza-Affäre" von Vizekanzler Heinz-Christian Strache geführt. Im Gespräch geht es um den viel diskutierten Thinktank "Denkwerk zukunftsreich", den der Vizekanzler erst im Februar dieses Jahres in seinem Ressort eingerichtet hatte. Mit Straches politischem Aus in der Regierung sei nun auch der Thinktank nach nur einer einzigen Veranstaltung erledigt, sagt der Sprecher.

Viel diskutiert wurde über Straches Thinktank unter anderem, weil nicht wirklich klar war, was dieser leisten sollte. Strache sagte vage, dass dort Experten "ausschließlich im Interesse Österreichs und seiner Bürger" in allerlei Themengebieten vordenken würden. Als einziger Mitarbeiter und Leiter des Thinktanks wird der Historiker Thomas Grischany ausgewiesen, der auch an dem noch unveröffentlichten Bericht der FPÖ-Historikerkommission mitarbeitet, der die braunen Flecken der Partei durchleuchten soll. Grischanys wissenschaftliche Thesen standen zuletzt in der Kritik. Ansonsten wollte die Einrichtung ausschließlich mit Freien arbeiten. Straches Thinktank war vorrangig ein Gegenstück zur Denkfabrik "Think Austria", die Bundeskanzler Sebastian Kurz davor im Bundeskanzleramt mit sechs Mitarbeitern installiert hatte.

Einschlägiges Podium zum Thema "islamischer Antisemitismus"

Die erste und einzige Veranstaltung zum Thema "islamischer Antisemitismus" hielt Strache am 13. Februar 2019 im Kursalon Hübner vor 400 Gästen ab. Am Podium waren einschlägige "Islamkritiker", neben dem deutschen Autor Henryk M. Broder auch Michael Ley, Autor des Buchs "Tötet sie, wo ihr sie trefft - Islamischer Antisemitismus". Ley, der eine Nähe zu den rechtsextremen Identitären hat, sagte auf der Veranstaltung etwa, dass der Begriff Islamismus eine Erfindung "europäischer Gutmenschen" sei. Laila Mirzo, Autorin des vom Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (DÖW) als extrem rechts eingestuften "Wochenblick", diskutierte ebenfalls mit und bekam als einzige Diskutantin ein Honorar (925,54 Euro, dieses und die Gesamtkosten der Veranstaltung hat die SPÖ parlamentarisch erfragt). Am Podium war auch der Obmann der türkischen Kulturgemeinde in Österreich, Birol Kilic.

"Wir haben nie behauptet, dass es um hier mitzutun ein entscheidendes Kriterium ist, völlig unumstritten zu sein", sagt der Ministeriumssprecher. "Im Gegenteil, jemanden zu finden, der in jeder Parlamentspartei völlig unumstritten ist, das schaue ich mir einmal an, wie das funktionieren soll und das wäre auch eine eher langweilige Person." Mirzo sei das "beste Beispiel" dafür, da sie kürzlich auch bei der Abschlussveranstaltung 100 Jahre Frauenwahlrecht im Parlament von Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka (ÖVP) "mit Blumen bedacht" wurde.

In diesem Jahr seien noch drei Veranstaltungen zu den Themenbereichen Umwelt (Bodenverbrauch oder der kleiner werdende Lebensraum für Wildtiere) und Europa und Integration ("Was das eigentlich ist, in das sich die Leute integrieren sollen") geplant gewesen, heißt es aus dem Ministerium. Dazu wird es nicht mehr kommen. Weitere Kosten seien abseits der einzigen Veranstaltung nicht angefallen.