Wien. (apa/dab) Der nach dem Auftauchen des "Ibiza-Videos" zurückgetretene FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache hat bei der Staatsanwaltschaft Wien gegen drei Personen Anzeige erstattet. Er bezeichnete diese als "mögliche Mittäter" bei der Erstellung des Materials. Gegen welche Personen sich die Anzeige richtet, erwähnte Strache nicht. Der Ex-Vizekanzler geht nicht davon aus, dass es noch weiteres kompromittierendes Material gegen ihn gibt.

"Alles Weitere zu klären obliegt nun den Ermittlungsbehörden." Auch hält er "die mögliche Mitwirkung weiterer Personen" für wahrscheinlich. Der zurückgetretene FPÖ-Chef machte die "Veröffentlichung der Bruchstücke eines rechtswidrig und geheim erstellten Videomitschnitts" für den "maximal denkbaren Schaden" verantwortlich. Er meinte: "Hieran trage natürlich auch ich eine gewisse Mitschuld."

Zu seinen Aussagen im Video meinte Strache, dass er "Akteur einer inszenierten Gesprächssituation" geworden sei. "In dieser habe ich Gedankenspiele artikuliert, die dumm waren und insbesondere auf dem politischen Parkett völlig inakzeptabel wären." Keinem Politiker seien Gedankenspiele jedoch fremd, "in denen er über Mittel und Wege nachdenkt, die politischen Ziele seiner Partei zu verwirklichen, Medienpopularität zu steigern und Verbündete in der Wirtschaft zu gewinnen".

"Keine strafbaren Handlungen"

Als mögliche Drahtzieher hinter dem Video gelten ein Wiener Anwalt und ein Mann, der in München als Detektiv tätig gewesen sein soll - die "Wiener Zeitung" berichtete. Die beiden bestreiten, strafbare Handlungen gesetzt zu haben. Richard Soyer, der Anwalt des Wiener Anwalts, erklärte, er halte fest, "dass mein Mandant weder strafbare Handlungen gesetzt noch an solchen mitgewirkt hat". Die Wiener Rechtsanwaltskammer hat disziplinarrechtliche Ermittlungen gegen den betroffenen Advokaten aufgenommen.

Der "Detektiv" wandte sich über eine Berliner Anwältin an deutsche Medienhäuser. Ihrem Mandanten sei in dieser Sache nichts vorzuwerfen, so seine Anwältin. Er habe weder angeboten, Straftaten zu begehen, noch öffentliche Ämter zu missbrauchen, noch Wahlergebnisse zu fälschen.

Prozess gegen Sicherheitsberater

Der Mann trat in dem Video als Begleitperson der "Oligarchen-Nichte" auf. Wie am Freitag bekannt wurde, muss er Ende Juni in Krems bei einem Prozess als Zeuge aussagen. Hintergrund ist ein vermeintlicher Industriespionagefall. Angeklagt ist jener Sicherheitsberater, der jüngst erklärt hat, dass es sich bei dem "Detektiv" um seinen Ex-Geschäftspartner handle, den er selbst im Bereich der Spionage ausgebildet habe. Der Fall spielt im Umfeld des Bahnbaumaschinen-Herstellers Plasser & Theurer (PT).

Der Sicherheitsberater hatte 2016 Selbstanzeige erstattet und den Vorwurf erhoben, dass ein österreichischer Konkurrent ausspioniert worden sei. Die Staatsanwaltschaft Krems ermittelte gegen 13 Beschuldigte, darunter auch zwei Chefs des Unternehmens. Mittlerweile wurden die Ermittlungen gegen die PT-Chefs und neun weitere Personen eingestellt, ein Fall wurde diversionell erledigt. Vor Gericht verantworten muss sich ab 26. Juni nun der Sicherheitsberater selber. Ihm werden Verleumdung und diverse Vermögensdelikte vorgeworfen. Der angebliche Detektiv wird als "Verleumdungs-Opfer" geführt.