Wien. Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) warnt angesichts des Misstrauensantrags am Montag vor einer rot-blauen Koalition. "Wenn ich eine Koalition sehe, die sich hier bildet, dann ist es eine Koalition aus Pamela Rendi-Wagner und Herbert Kickl", sagt Kurz im "Standard" auf die Frage, ob er nach der Wahl im Herbst wieder mit der FPÖ zusammenarbeiten würde.

Sollten SPÖ und FPÖ ihn abwählen, dann sei das zur Kenntnis zu nehmen. "Aber am Ende entscheidet in Österreich das Volk, und zwar im September", so Kurz im Interview mit "Presse" und Bundesländerzeitungen. Was die Herkunft des "Ibiza-Videos" angeht, das zum Scheitern seiner Regierung mit der FPÖ geführt hat, spekuliert Kurz einmal mehr über einen möglichen Zusammenhang mit dem früheren SP-Wahlkampfberater Tal Silberstein. Silberstein hat das bereits dementiert und die SPÖ eine Klage gegen Kurz angekündigt.

Heftige Kritik an Kurz

Bei den Abschlusskundgebungen von FPÖ und SPÖ zur EU-Wahl gab es heftige Kritik an Kurz und der ÖVP. SPÖ-Parteichefin Pamela Rendi-Wagner sprach Kurz die Reife für sein Amt ab, Spitzenkandidat Andreas Schieder warf den Freiheitlichen vor, das Land für ein paar 100.000 Euro verschleudern zu wollen.

Während die FPÖ der SPÖ-Chefin keine Erwähnung wert war, schoss sie sich frontal auf Kanzler Kurz ein. Dieser habe bewiesen, dass er Verantwortung nicht nachkommen könne, so Rendi-Wagner unter Johlen des Publikums: "Er ist ihr nicht gewachsen, er ist nicht reif dafür." Die SPÖ-Vorsitzende warf dem VP-Obmann vor, nicht auf die Opposition zugegangen zu sein. Es habe nur PR-Maßnahmen und Scheinangebote gegeben: "Er will diktieren."

Bei der FPÖ-Abschlusskundgebung spracht Ex-Innenminister Herbert Kickl von einem "riesigen Trümmerhaufen", nämlich den, "den uns Bundeskanzler Sebastian Kurz und Bundespräsident Alexander Van der Bellen hinterlassen haben", wie er mit Blick auf seine von Kurz vorgeschlagene und vom Präsidenten durchgeführte Entlassung als Minister meinte.

Auch der blaue EU-Spitzenkandidat Harald Vilimsky rechnete nach "Kurz muss weg"-Sprechchören mit dem Kanzler ab: "Also ich glaube, das ist eine deutliche Botschaft an den Ballhausplatz und an die Zentrale der Volkspartei. Jemand, der wie Sebastian Kurz zwei mal in zwei Jahren eine Regierung gesprengt hat (...) und uns jetzt vorgaukelt, für Stabilität sorgen zu wollen, da lachen die Hühner. Jetzt wird demokratisch für Ordnung gesorgt", rief Vilimsky.