Wien. Was am Freitagnachmittag am Viktor-Adler-Markt in Wien-Favoriten zusammenkommt, ist der harte Kern der Wiener FPÖ-Anhänger. Der Platz, an dem traditionell die Abschlusskundgebungen der Freiheitlichen stattfinden, war zu früheren Gelegenheiten schon voller. Ab 15:00 Uhr Nachmittags heizt wie üblich die John-Otti-Band der freiheitlichen Wählerschaft ordentlich mit Schlagermusik (von Johnny Cash bis zum Radetzky-Marsch) ein, das Bier fließt in Strömen - bloß der Platz vor dem Markt will sich nicht richtig füllen.

Am späteren Nachmittag sind es wohl etwas zwischen 500 und 1000 FPÖ-Fans, die den Ansprachen der Parteispitze und der Band lauschen. Genaue Angaben kann die zahlreich anwesende Polizei aber keine machen. Wer gekommen ist, ist aber umso überzeugter: Die FPÖ wird nicht untergehen. "Jetzt erst recht", der ÖVP-Slogan aus dem Waldheim-Wahlkampf der Achtziger, ist in aller Munde.

Dafür sind umso mehr Journalisten anwesend, die deutsche ARD filmt, das französische Radio ist da, alle suchen nach Gesprächspartnern. Am Rande der Kundgebung hat sich eine linke Gegendemonstration aufgestellt, für viele hinten stehende FPÖ-Fans ein Problem, denn der Gegner ist laut - und zieht dementsprechenden Unmut auf sich. Thema Nummer eins sind natürlich das Ibiza-Video, der Rücktritt des Parteichefs und Vizekanzlers - und wie es nun weitergehen soll. Mit der Partei, mit dem Land, und auch mit dem ÖVP-Bundeskanzler.

"Ihr seid schuld!" 

Vor die Kamera wollen nicht viele, manche Kollegen werden gar attackiert. Viele FPÖ-Anhänger aber haben dennoch ein Bedürfnis, ihre Sicht auf die Geschehnisse der vergangenen Tage darzulegen. "Strache hat Mist gebaut",  das sagen viele. Fragt man nach dem Inhalt des Ibiza-Videos, stellen die meisten Gegenfragen: "Wer steckt dahinter? Das kann nur die SPÖ sein", ist sich ein Anhänger in Sakko und Hut sicher. Mindestens die Hälfte derer, die mit der "Wiener Zeitung" sprechen wollen, wollen aber die ÖVP als Verantwortliche erkennen.

Verschwörungstheorien werden ausgepackt, dass der ehemalige Parteichef, der heute nicht auf der Bühne steht, im Video der vermeintlichen Russin Angebote für Aufträge gibt, wird so gut wie nicht kommentiert. "Was er der Philippa angetan hat, das verzeihe ich ihm nicht", sagt eine Frau. Sie trägt wie viele eine blaue FPÖ-Überziehweste, die Uniform des Abends. "Ihr seid schuld!", schreit hingegen ein weiterer FPÖ-Fan. Er meint die Journalisten. Viele von ihnen ziehen es vor, auf Abstand zu gehen.