Wien. (sir) Arbeiterpartei SPÖ? Bei der EU-Wahl landeten die Sozialdemokraten gerade noch am Stockerl. Sogar die türkise Volkspartei hat der SPÖ bei den Arbeitern den Rang abgelaufen, die FPÖ sowieso. Die Umfrage von Sora/ISA für den ORF wies den Freiheitlichen diesmal die Hälfte der Arbeiterstimmen zu, die SPÖ kommt bei dieser Gruppe nur mehr auf 17 Prozent.

Befragt wurden 1287 Personen, davon 967 deklarierte Wählerinnen und Wähler von Dienstag bis Sonntag. Die Schwankungsbreite dieser Umfrage liegt bei 2,8 Prozent, wobei beachtet werden muss, dass vor allem bei kleineren Parteien und kleinen Subgruppen die Zahl der Antworten sehr gering ist.

Interessant ist, dass der große Wahlsieger ÖVP bei den Jungen (bis 29 Jahren) sehr unterrepräsentiert ist. Nur 16 Prozent gaben laut Sora den Türkisen ihre Stimmen - und das obwohl sich die ÖVP unter Sebastian Kurz demonstrativ jünger gibt als früher. Hier schnitten die Grünen besonders stark ab mit 28 Prozent, die Freiheitlichen, die bei der Nationalratswahl bei dieser Gruppe noch auf Platz eins lagen, stürzten ab. Bei den Grünen waren für die Hälfte der Wählerinnen und Wähler die "inhaltlichen Standpunkte der Partei" der Hauptgrund für das Wahlverhalten, das ist signifikant mehr als bei allen anderen Parteien. Dass das Thema Klimawandel bei dieser Wahl eine größere Bedeutung hatte, geht auch aus den Zugewinnen der Grünen in anderen Mitgliedsstaaten und dem Europäischen Parlament hervor.

Bei den Wählern über 60 Jahre kam die ÖVP fast auf eine "Absolute", auch hier schnitt die SPÖ deutlich schlechter ab als noch im Herbst 2017 bei der Nationalratswahl. Augenfällig große Unterschiede gab es laut Sora beim Wahlverhalten nach Geschlechtern. Während die FPÖ bei den Frauen nur mehr auf zehn Prozent kam, hielt sie bei den Männern noch 26 Prozent. Bemerkenswert ist zudem, dass die SPÖ bei der Analyse des Wahlverhaltens nach Bildung bei Hochschulabsolventen ein besseres Ergebnis einfuhr als bei Personen mit Lehre -und das, obwohl die Grünen mit rund einem Drittel bei den Uni-Absolventen Platz eins machten. Das passt allerdings auch zu der Erkenntnis, dass die SPÖ mittlerweile eine andere Wählerschaft, als dies historisch der Fall war.