Wien. Im Zusammenhang mit dem Ibiza-Video, das die vormaligen FPÖ-Politiker Heinz-Christian Strache und Johann Gudenus in die Bredouille brachte, hat die Staatsanwaltschaft Wien nun Ermittlungen aufgenommen. In Bezug auf die Erstellung des Videos werde "in mehrere Richtungen ermittelt", teilte Behördensprecherin Nina Bussek am Montagvormittag in einer Presseaussendung mit.

Aus "ermittlungstaktischen Gründen" war Bussek zu keinen weiteren Auskünften bereit. Gegenüber der Austria Presse Agentur wollte sie weder die Frage beantworten, welche strafrechtlichen Tatbestände geprüft werden, noch ob und gegen allenfalls welche konkreten Personen ermittelt wird.

Deutscher Verein soll für Video 600.000 Euro bezahlt haben

Ein deutscher Verein soll den Herstellern des Ibiza-Videos das Material um 600.000 Euro abgekauft haben. Das berichtet die "Kronen Zeitung" (Montagsausgabe). Demnach soll das Video, das in weiterer Folge vom "Spiegel" und der "Süddeutschen Zeitung" (SZ) veröffentlicht wurde, in Krügerrand-Goldmünzen bezahlt worden sein.

Laut "Krone" waren vier Personen - ein Wiener Anwalt, ein Detektiv und zwei Sicherheitsexperten - für die Produktion des Videos verantwortlich. Ihr kolportiertes Motiv: persönliche Rache und Abneigung gegen die freiheitliche Politik. Ein Leibwächter des Anwalts mit einer Kanzlei in der Wiener Innenstadt soll Details über das Privatleben Straches gekannt haben, auf Basis dieser Informationen wurde dann angeblich gezielt ein Lockvogel für den FPÖ-Chef gecastet.

Mehrsprachige bosnische Agrarwissenschaftsstudentin

Bei der vorgeblichen Nichte eines russischen Oligarchen, mit der sich Strache und Gudenus im Sommer 2017 auf Ibiza trafen, soll es sich um eine mehrsprachige bosnische Agrarwissenschaftsstudentin gehandelt haben. Laut "Krone" erhielt sie für ihre schauspielerischen Leistungen eine Tagesgage von 6000 bis 7000 Euro.

Bestätigung für die "Krone"-Berichterstattung gab es keine. Der Rechtsvertreter des Wiener Anwalts, Richard Soyer, wollte die Meldung auf Anfrage der Austria Presse Agentur nicht kommentieren.

FPÖ-Generalsekretär Christian Hafenecker hatte am Wochenende für die Mitwirkenden am Video U-Haft wegen Verdunkelungs- und Fluchtgefahr verlangt. Für die FPÖ besteht der Verdacht auf Urkundenfälschung, Täuschung und Missbrauch von Ton- und Abhörgeräten.

Das "Zentrum für politische Schönheit" - ein deutscher Verein, der sich der politischen Aktionskunst verschrieben hat und der als möglicher Auftraggeber des Ibiza-Videos vermutet wurde - hat am Montag über den Kurznachrichtendienst Twitter jedwede Beteiligung zurückgewiesen. Weder sei für das Video seitens des Vereins Geld geflossen noch habe man es den Medien zugespielt. "Statt wilder Gerüchte über den Ursprung des Videos zu verbreiten, könnten sich die investigativen Ressorts um die Finanzierungsquelle der #FPÖ kümmern", twitterte das "Zentrum für politische Schönheit". (apa/kle)