Wien. Ausgerechnet in Schweden, dem Heimatland der Klimaaktivistin Greta Thunberg, mussten die Grünen bei der EU-Wahl am Sonntag zwar Verluste hinnehmen - insgesamt konnten sie aber massiv dazugewinnen. Im EU-Parlament sind sie laut vorläufigem Endergebnis nun mit 69 Sitzen vertreten. Das sind um 19 Sitze mehr als bei der EU-Wahl 2014. Dadurch stiegen sie von der sechst- zur viertstärksten Kraft hinter der EVP, S&D und ALDE auf.

Vor allem Deutschland, wo die Grünen ihr Ergebnis fast verdoppelten, Finnland, Frankreich und auch Österreich stachen heraus. In Deutschland landeten die Grünen laut vorläufigem Endergebnis mit 20,5 Prozent hinter der CDU/CSU auf Platz zwei und schnitten damit deutlich besser ab als erwartet. Bemerkenswert ist auch der zweite Platz der Grünen in Finnland: Dort fuhren sie ein Rekordergebnis ein und werden mit 16 Prozent Stimmenanteil als zweitstärkste Kraft hinter den Konservativen ebenso wie die drittplatzierten Sozialdemokraten diesmal zwei Mandatare nach Brüssel schicken. In Frankreich belegten die Grünen mit 13,5 Prozent hinter der rechtspopulistischen Partei von Marine Le Pen und der regierenden La République en Marche überraschend Platz drei.

Gastgeber Schwarzenegger und Klimaaktivistin Thunberg trafen im Vorfeld des Klimagipfels in Wien erstmals aufeinander. - © apa/Langthaler
Gastgeber Schwarzenegger und Klimaaktivistin Thunberg trafen im Vorfeld des Klimagipfels in Wien erstmals aufeinander. - © apa/Langthaler

In Österreich Platz vier

Hier in Österreich meldeten sich die Grünen, die bei der vergangenen Nationalratswahl auf 3,8 Prozent abstürzten und seitdem nicht mehr im Nationalrat vertreten sind, mit einem zweistelligen Ergebnis von 14 Prozent (zwei Mandate) zurück. Hinter der ÖVP, der SPÖ und der FPÖ liegen sie auf Platz vier.

Die Klimabewegung "Fridays for Future", die die damals 15-jährige Greta Thunberg im August 2018 ins Leben rief, als sie zum ersten Mal vor dem Parlament in Stockholm demonstrierte, spielte den Grünen dabei freilich in die Hände. Seitdem keimen die Themen Klimawandel und Klimaschutz gewaltig auf, und sie bekamen eine neue Dimension. Jeden Freitag protestieren Schüler und Studierende weltweit für den Klimaschutz. Eltern, Wissenschafter und Künstler taten es ihnen gleich. Auch in Österreich. Nicht zuletzt deshalb war die Klimapolitik eines der dominanten Themen dieser EU-Wahl, das zudem den Nerv einer jungen Generation zu treffen schien.

Der "R20 Austrian World Summit", der heute, Dienstag, und Mittwoch zum dritten Mal seit 2017 in der Wiener Hofburg stattfindet, hat daher ein noch nie da gewesenes Interesse erreicht. Aufgrund des enormen Ansturms auf die Karten, der das Fassungsvermögen weit überstiegen hat, wird nun auch ein "Climate Kirtag" auf dem Wiener Heldenplatz veranstaltet. Dieser findet am Dienstag ab 15 Uhr statt, der Eintritt ist frei. Zusätzlich reist auch noch Greta Thunberg an - sie wird am Dienstag um 17 Uhr gemeinsam mit Gastgeber Arnold Schwarzenegger auf dem Heldenplatz auftreten.

Die Eröffnungsrede zum Klimagipfel in der Hofburg hält Bundespräsident Alexander Van der Bellen. Politiker, Experten und Prominente erörtern anschließend mit den rund 1200 Besuchern aus 30 Nationen das Thema "Klimafinanzierung". Dabei wird aber "nicht nur über die Zukunft unseres Planeten diskutiert, sondern gezeigt, was konkret schon alles möglich ist", hieß es seitens der Organisatoren. Dies wird auch anhand von zehn Best Practice-Beispiele vorgestellt. Zudem soll dem Programm zufolge in diversen Panels näher darauf eingegangen werden, wie vor allem Städte und Regionen den Klimaschutz vorantreiben können - wenn es im Großen nicht funktioniert.

Auch UNO-Generalsekretär Antonio Guterres wird bei der Veranstaltung erwartet. Bereits am Montag trafen Schwarzenegger und Thunberg erstmals in der Wiener Hofburg aufeinander.