Wien. "Hi", sagt das Mädchen, das mit einer rosa Bluse und den zu einem Zopf zusammengebundenen Haaren auf der eindrucksvollen Bühne im großen Festsaal der Wiener Hofburg steht. "Ich bin Greta Thunberg, eine Klimaschutzaktivistin aus Schweden." Nötig wäre diese Vorstellung allerdings kaum gewesen.

Denn wer Greta Thunberg ist, wissen nicht nur die Menschen im Saal - darunter der UN-Generalsekretär, Staats- und Regierungschefs aus zahlreichen Ländern, hochrangige Wirtschaftstreibende, aber auch prominente Sportpersönlichkeiten wie der Skifahrer Aksel Lund Svindal - nur zu gut. Fast die halbe Welt kennt die 16-Jährige, die mit ihrer "Fridays for Future" getauften Schulstreikbewegung zu einem globalen Phänomen geworden ist, mittlerweile. Thunberg tritt beim Weltwirtschaftsforum in Davos auf, sie trifft den Papst und aussichtsreiche EU-Spitzenkandidaten, gibt großen internationalen Zeitungen Interviews. Und wenn am 31. Mai der nächste Friday for Future ansteht, dürften es weltweit wohl wieder hunderttausende junge Menschen sein, die sich Thunbergs Klimaschutzprotest anschließen und statt in die Schule auf die Straße gehen.

"Nur isolierte Lösungen"

Dass die junge Aktivistin weit mehr ist, als ein kurzfristiger und zufällig viral groß gewordener Hit der YouTube-Generation, wird allerdings in der Rede deutlich, die sie bei der von Arnold Schwarzenegger initiierten R20-Klimaschutzkonferenz in der Hofburg hält. Mit ruhiger Stimme, aber umso eindringlicheren Worten prangert Thunberg dabei die bisherigen Lösungsversuche der Klimakrise an. Viele Menschen - den Politikern ebenso wie den einfachen Bürgern - sei immer noch nicht bewusst, in welcher Gefahr sie sich eigentlich befinden. "Wir müssen die Art und Weise ändern, wie wir über die Erderwärmung reden", sagt Thunberg. "Und wir müssen endlich sagen, was der Klimawandel in Wahrheit ist - nämlich ein globaler Notfall".

An diese Diagnose anschließend stellt die junge Schwedin dann entscheidende Fragen. Wie könne es sein, dass die Politiker, die die verheerenden Auswirkungen des Klimawandels bereits begriffen haben, nicht rund um die Uhr in Krisensitzungen tagen? Dass das Thema nicht die Medien dominiert? Dass nicht überall darüber gesprochen wird?

"Wir müssen das Problem in seiner Gesamtheit sehen", sagt Thunberg. Auch wenn es weh tut. Auch wenn dadurch unser Leben in vielen Bereichen verändert wird. Doch derzeit gebe es nur einzelne, voneinander isolierte Lösungen.