Am Mittwoch-Nachmittag veröffentlichte das Innenministerium die Vorzugsstimmen aller Kandidatinnen und Kandidaten, die auf den österreichischen Listen zur Wahl standen. Staatssekretärin Karoline Edtstadler (ÖVP) könnte von allen mit 115.891 die meisten Vorzugsstimmen für sich verbuchen. Sie überholte aber auch den Listenerstgereihten Othmar Karas von der ÖVP klar: 103.021 trugen bei der Wahl seinen Namen zusätzlich zum Kreuzerl für die ÖVP.

Anstelle des früheren ORF-Moderators Wolfram Pircher, der auf der Liste auf Platz 6 gereiht war, aber nur 9357 Vorzugsstimmen erhielt, und dem Listen-Siebenten Christian Sagartz aus dem Burgenland mit 17.232 Stimmen, landet Barbara Thaler vom Wirtschaftsbund mit 38.285 und Alexander Bernhuber mit 30.338 Stimmen im Ranking der ÖVP-Vorzugsstimmen auf dem sechsten und siebenten Platz. Die beiden erhalten, wie vor den Wahlen angekündigt, damit die beiden Mandate im EU-Parlament.

Julia Herr ist bei der SPÖ Vorzugsstimmen-Zweite

Anders bei der SPÖ: Die Partei hatte Julia Herr auf ihrer Liste zur EU-Wahl auf Platz sechs gereiht, den burgenländischen Landesgeschäftsführer Christian Alexander Dax auf Platz sieben. Herr erhielt mit 19.416 Vorzugsstimmen allerdings die zweitmeisten Vorzugsstimmen hinter dem sozialdemokratischen Spitzenkandidaten Andreas Schieder mit 72.861 Stimmen. Auch Dax kann sich über 13.783 Vorzugsstimmen freuen. Sowohl im Büro der Delegation der SPÖ-Europaabgeordneten (O-Ton: "super für die beiden") als auch in der SPÖ-Bundeszentrale ist man über das "natürlich erfreuliche Ergebnis der beiden, die so viele Stimmen für sich gesammelt haben" begeistert. Daran, wer die fünf Mandate der SPÖ im EU-Parlament übernimmt, ändert das aber wenig:

Es bleiben die Top 5 auf der Liste: Nach Schieder, EU-Parlamentarierin Evelyn Regner mit 12.090 Vorzugsstimmen, der niederösterreichische Landtagsabgeordneter Günther Sidl mit 8.419, die steirische Landtagspräsidentin Bettina Vollath (7.784) und der Bad Ischler Bürgermeister Hannes Heide (12.452).

Strache hätte mit 44.750 Stimmen Anspruch auf ein EU-Mandat

Harald Vilimsky erhielt von freiheitlichen Wählern 64.520 Vorzugsstimmen, Heinz-Christian Strache genau 44.750. Das sind deutlich mehr Vorzugsstimmen als die für die gesetzliche Vorreihung notwendigen 32.506 bei dieser Wahl. Der wegen des Ibiza-Videos zurückgetretene frühere Vizekanzler hätte somit Anspruch auf ein Mandat und würde Petra Steger, die freiheitliche Listen-Dritte, die nur 3380 Vorzugsstimmen erreicht hat, verdrängen und gemeinsam mit Vilimsky und dem Listenzweiten Georg Mayer ins EU-Parlament einziehen. Ob Strache darauf verzichtet, ist weiter unklar.

Bei den Grünen entsprechen die Vorzugsstimmen von Werner Kogler (70.585) und Sarah Wiener (35.590) genau ihren Listenplätzen. Die beiden ziehen damit ins EU-Parlament ein. Auch Neos-Spitzenkandidatin Claudia Gamon erhielt als Listenerste ihrer Partei mit 64.341 die meisten Vorzugsstimmen der Neoswählerinnen.