Es gab Leute, die hatten auf der Alltagsebene große Sympathien für die HDJ, die aber auf der politischen Ebene gesagt haben, wir brauchen einen "Schwarzen Block" für die Demos, damit wir auch Polizeiketten durchbrechen können. Und wiederum andere, die gesagt haben, Schwarzer Block geht gar nicht, das ist das Verhalten von "Zecken" und Linken, das ist undeutsch. Das war sicher der allergrößte Teil der Völkischen, der so gedacht hat: Ihr imitiert unseren politischen Feind, ihr benehmt euch wie das Gesocks, das geht gar nicht.

Unser Projekt damals war, eine Art Reform des nationalen Widerstands einzuleiten. Die Leute sollten anfangen, tatsächlich eine Weiterentwicklung hin zu nationalrevolutionären, sozialrevolutionären Inhalten und mit entsprechendem Auftreten zu wagen: gänzlich weg von den Stereotypen des marodierenden Nazi-Skinheads, wir wollten als patriotisch, sozial und national wahrgenommen werden. Das scheiterte, auch, weil die Leute eben ihre Nazi-Sachen machen wollten.

Eine Überlegung mit dieser Enttäuschung umzugehen, war eben die Idee: "Okay, dann holen wir uns auch so einen Bauernhof und werden autark, bauen unsere Bio-Sachen an" – bei uns waren alle vegetarisch oder vegan, das gehörte sozusagen zum Eliten-Anspruch dazu. Das war auch ein Punkt, den wir selber angestrebt haben. Beim harten völkischen Kern hat ja das alles fast schon einen Reenactment-Charakter. Die versuchen ja teilweise tatsächlich genau so zu leben wie zwischen 1933 und 1945 – zumindest ihrer Vorstellung nach.

Gab es konkrete Pläne für so eine Siedlung?

Bei uns nicht, weil vorher die Gruppe zerbrochen war. Wichtige Führungspersönlichkeiten, ich und noch zwei andere, sind ausgestiegen und haben sich erstmal zurückgezogen. Wir haben uns aber ausgetauscht mit Leuten, die das schon mal gemacht haben, mit HDJ-Mitgliedern, die waren da natürlich wichtige Ansprechpartner. Ideen und Planung - ja, wirklich konkret - nein.

Wie kam es dann dazu, dass Sie begonnen haben, sich zurückzuziehen? Das war ja kein Bruch, sondern wie häufig ein Prozess.

Aus verschiedenen Gründen. Einerseits eben die Enttäuschung, vor allem darüber, dass unsere eigenen, sehr elitären Vorstellungen, wie man eine neue, revolutionäre Form umsetzen kann, gar nicht in der Szene angenommen wurde. Dass es aber trotzdem die ganze Zeit zu Auseinandersetzungen mit der Polizei, dem Staat und den politischen Gegnern kam. Ich hatte einfach dann irgendwann keine Lust: Dass man mit als "Konsum-Nazis" oder "Kraken" bezeichneten Skinheads herumrennen muss, weil man natürlich deren Unterstützung auf der Straße braucht. Weil man diese "Konsum-Nazis", die auf Konzerte gehen und so Geld in die Kassen bringen, als Finanziers braucht. Und man aber umgekehrt trotzdem für diese Leute auch verantwortlich ist. Wenn die irgendwo Mist bauen, werden natürlich die Leute in die Pflicht genommen, die die Demos angemeldet haben – also wir als Kader.