Wien. Österreichs Regierung wird im Herbst neu gewählt, aber schon jetzt werden in einer Übergangsregierung die politisch besetzen Ressorts durch Spitzenbeamte ersetzt. Einige Minister werden sich schon ab Dienstag einen neuen Job suchen müssen. Manche werden auf ihr politisches Mandat zurückgreifen, andere in die Privatwirtschaft zurückkehren. Dass das gelingen kann, zeigen zahlreiche Beispiele der Vergangenheit. Die "Wiener Zeitung" zeigt hier einige Fälle auf.

So wechselte die ehemalige Europa-Staatssekretärin Brigitte Ederer (SPÖ) 2000 in den Vorstand von Siemens Österreich, wo sie 2005 die Nachfolge von Albert Hochleitner als Generaldirektorin antrat. Im Mai 2010 rückte die Wienerin in den Konzernvorstand von Siemens in München auf. In ihre Verantwortung fielen das Personalressort und die Betreuung der Region Europa. Im September 2013 wurde sie vorzeitig abberufen. Heute ist sie in mehreren Unternehmen Aufsichtsrätin, unter anderem bei Börsenneuling Marinomed Biotech.

Hannes Androsch: Banker und Industrieller. - © apa/ G. Hochmuth
Hannes Androsch: Banker und Industrieller. - © apa/ G. Hochmuth

Die ehemalige Vizekanzlerin, FPÖ-Chefin und Sportministerin Susanne Riess-Passer (seit ihrer Scheidung 2011 Susanne Riess) zog es in die Welt der Finanzen. Die oberösterreichische Juristin wurde 2003 Generaldirektorin der Bausparkasse Wüstenrot und ist es heute noch.

Alfred Gusenbauer, von Jänner 2007 bis Dezember 2008 Bundeskanzler und von 2000 bis 2008 Bundesparteivorsitzender der SPÖ, gründete eine eigene Firma, die "Gusenbauer Projektentwicklungs- und Beteiligungs GesmbH". Das einstige Arbeiterkind aus Ybbs an der Donau ist bestens vernetzt, unter anderem mit der Signa Holding des Tiroler Immobilientycoons René Benko, in deren Beirat er sitzt. Gusenbauer dürfte der wirtschaftlich erfolgreichste ehemalige Bundeskanzler Österreichs sein. Seine Beratungs- und Lobbyisten-Aktivitäten sind politisch teilweise umstritten. So kam Gusenbauer wegen seiner Beratungstätigkeit für Kasachstans Staatspräsident Nursultan Nasarbajew ins Gerede.

Susanne Riess: Bausparkassen-Chefin. - © apa/G. Hochmuth
Susanne Riess: Bausparkassen-Chefin. - © apa/G. Hochmuth

Für Aufregung sorgte in jüngster Zeit auch die berufliche Neuorientierung der langjährigen Grünen-Politikerin Eva Glawischnig. Nachdem sie aus gesundheitlichen Gründen als Bundessprecherin und Klubobfrau der Grünen zurückgetreten war, ging sie 2018 beim niederösterreichischen Glücksspielkonzern Novomatic an Bord - als Leiterin der Stabsstelle Corporate Responsibilty und Sustainability.

Als einer der ersten Quereinsteiger der heimischen Innenpolitik gilt ÖVP-Urgestein Josef Taus. Er hatte schon Karriere als Chef der Girozentrale gemacht, als er im Jahr 1975 ÖVP-Bundesparteiobmann wurde. Nach seiner Niederlage gegen Bruno Kreisky (SPÖ) bei der Wahl 1979 werkte er als Manager in der Turnauer-Gruppe, gründete dann gemeinsam mit Manfred Leeb und Herbert Liaunig die Management Trust Holding und baute ein weit verzweigtes Firmenkonglomerat auf. Die MTH half der angeschlagenen Papier- und Buchhandelskette Libro wieder auf die Beine, war aber beim Motorradbauer KTM erfolglos. Taus ist zwar in der MTB-Gruppe nicht mehr tätig, hat aber ein Auge auf seine Firmen, auch als Aufsichtsrat.

Christian Kern: Einstieg ins Family Business. - © apa/H Neubauer
Christian Kern: Einstieg ins Family Business. - © apa/H Neubauer

Bruno Kreisky machte 1970 den 32-jährigen Steuerberater und Wirtschaftsprüfer Hannes Androsch zum (bis dahin) jüngsten Finanzminister der Zweiten Republik. 1976 wurde Androsch Vizekanzler. 1980 musste er wegen Unvereinbarkeit alle seine politischen Funktionen zurücklegen und wechselte in die damals im Staatseigentum stehende Creditanstalt. Später stieg er zum Großindustriellen auf. Androsch ist auch Buchautor, gefragter Gesprächspartner und scharfzüngiger Kommentator des politischen und wirtschaftlichen Geschehens des Landes.

- © Michael Gruber / EXPA / pictured
© Michael Gruber / EXPA / pictured

Als Kanzler erfolglos, als Manager aber top: OMV-Vorstand Viktor Klima wurde von der SPÖ 1992 als Minister für öffentliche Wirtschaft und Verkehr in die Regierung geholt. Später wurde er Finanzminister und schließlich Bundeskanzler und SPÖ-Vorsitzender. Im Jahr 2000 überließ er die Partei Alfred Gusenbauer und ging zum Autobauer Volkswagen nach Argentinien. Von 2006 bis 2012 war Klima Mitglied der Konzernleitung für Südamerika. Er verbringt seinen Ruhestand auf einer Ranch in Argentinien.

Er kam aus der Wirtschaft und kehrte dahin zurück: Ex-Kanzler und Ex-SPÖ-Chef Christian Kern stieg nach seinem Rücktritt im Oktober 2018 in die Firma seiner Ehefrau ein. Der ehemalige Vorstandsvorsitzende der ÖBB-Holding arbeitet nach seinem Intermezzo in der hohen Politik nun für die Blue Minds-Gruppe, die Businessmodelle für die digitale Transformation der Industrie mit Schwerpunkt Energiesysteme und Clean Tech entwickelt.