Wien. Ein ÖVP-Verein, besetzt mit gleich drei Mitarbeitern des Bundesamts für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung hat am Dienstag im dafür zuständigen Untersuchungsausschuss für Erstaunen gesorgt. Obmann war der ehemalige Spionageabwehr-Chef, Kassier eine Zeit lang der ehemalige Kanzleramtsminister Gernot Blümel. P. beteuerte, dass der Verein schon länger nicht mehr aktiv gewesen sei.

P. sagte am Dienstag zum bereits zweiten Mal im Ausschuss aus. Zuvor hatte er sich in einem leidenschaftlichen Plädoyer gegen Vorwürfe angeblicher ÖVP-Netzwerke im BVT verteidigt. "Wer mich kennt weiß, dass die politische Farbe bei meiner Arbeit niemals eine Rolle gespielt hat", meinte er. Die Vorgänge rund um das BVT seien außerdem eine "sicherheitstechnische Apokalypse". Oftmals versuchte er, seine Aussage unter Hinweis auf gegen ihn laufende Ermittlungen zu verweigern.

"Keine Geldflüsse" 

Eine Frage musste P. jedenfalls beantworten: Jene nach dem Verein, bei dem neben ihm auch noch der Leiter des Cyber Security Centers im Bundesamt sowie der stellvertretende Leiter der Informationsauswertung aktiv waren. Es handelt sich dabei um den "Heimatverein ProPatria - Für Niederösterreich", der 2004 gegründet wurde und die ÖVP in Wahlkämpfen unterstützen sollte. Kassier war dort eine Zeit lang Blümel. P. betonte, der Verein sei "uralt", es existierten "keine Geldflüsse" mehr.

Auch sonst kam der ehemalige Spionageabwehr-Chef in Erklärungsnot. Etwa bei der Frage nach einem Brief an den ehemaligen Generaldirektor für öffentliche Sicherheit, Herbert Anderl. P. hatte darin "Vernetzungsarbeit" und "authentische Informationen abseits der formellen Kanäle" angeboten. P. meinte, er habe damit - ohne es zu erwähnen - anstehende Personalvertretungswahlen gemeint. Ob Anderl tatsächlich in der Personalvertretung aktiv war, habe er aber nicht gewusst.

Auch zu Treffen mit ÖVP-Bundesgeschäftsführer Axel Melchior, seinerzeit im Ministerium des späteren Kanzlers Sebastian Kurz (ÖVP) tätig, und dem ÖVP-Abgeordneten Werner Amon wurde P. befragt. Er hatte damals Kaffeehausrechnungen als Spesen für Auskunftspersonen abgerechnet, was auch Gegenstand eines Verfahrens ist. Der ehemalige BVT-Spionagechef räumte in der Befragung am Dienstag Treffen mit dem ÖVP-Bundesgeschäftsführer ein - wie viele es waren und wo, konnte er sich aber nicht mehr erinnern.