Im Detail ergab sich das folgende Bild: In Relation zum Bruttogesamteinkommen machten die Gesundheitsausgaben 2015 im untersten Einkommenszehntel je nach Berechnungsvariante 37,8 Prozent oder 42,9 Prozent aus. Die Sachleistungen aus dem öffentlichen Gesundheitssystem tragen somit deutlich mehr als ein Drittel zum Bruttogesamteinkommen der Haushalte der Einkommensschwächsten bei. Im zweiten Zehntel ist dieser Anteil viel niedriger und sinkt in den weiteren Zehnteln kontinuierlich auf vier beziehungsweise drei Prozent.

Sozialpolitischen Zündstoff

Eine weitere Tendenz birgt besonderen Zündstoff für die sozial- und gesundheitspolitische Diskussion. Ein Vergleich mit Ergebnissen aus früheren Umverteilungsstudien lasse über die Zeit "eine tendenzielle Verschiebung" der Ausgaben zugunsten der oberen Einkommensgruppen vermuten: Der Ausgabenanteil des untersten Viertels oder untersten Drittels der Einkommen ging zwischen 2000 und 2015 zurück, während der Anteil des obersten Viertels beziehungsweise Drittels entsprechend stieg. Die mittleren Einkommensgruppen erhielten dagegen zwischen 2000 und 2010 einen weitgehend konstanten Ausgabenanteil, mit einem Anstieg zwischen 2010 und 2015, wird im Bericht festgehalten.

Ähnlich ist die Situation auch beim Bezug von Pflegegeld, das von rund 450.000 Menschen mit Behinderung in Österreich in Anspruch genommen wird. Vor allem die unteren Stufen des je nach Bedarf in sieben unterschiedlichen Höhen ausbezahlte Pflegegeld spielen dabei ein zentrale Rolle. Das Pflegegeld , für das von der öffentlichen Hand jährlich gut zwei Milliarden Euro ausgegeben werden, sei "ebenfalls überproportional auf das untere und mittlere Einkommenssegment konzentriert", dies gelte insbesondere für das zweite bis vierte Zehntel der Einkommensgruppen, analysiert Leoni in der Wifo-Umverteilungsstudie.

Der Umstand, dass das Mitte 1993 eingeführte Pflegegeld seither selten erhöht worden ist, findet ebenfalls seinen Niederschlag. Der Anteil der Pflegegeldleistung am Haushaltseinkommen ging zwischen 2010 und 2015 im Durchschnitt der betroffenen Haushalte zurück - nämlich von 11,5 Prozent auf 10,1 Prozent. Die Einkommensanteile lagen 2015, mit Ausnahme des untersten Viertels, in allen Vierteln unter den Werten für 2010.

Dieser Rückgang der relativen Bedeutung des Pflegegeldes als Einkommensbestandteil sei laut Leoni seit 2000 als Trend zu interpretieren. "Er kann dadurch erklärt werden, dass das Pflegegeld zwischen 2000 und 2015 nur zweimal angehoben wurde und seine Höhe nicht mit der Entwicklung der Gesamteinkommen Schritt hielt", heißt es im Wifo-Bericht.

Bezieher von Pflegegeld sind auch Opfer des Bruchs der türkis-blauen Koalition. Im Zuge der für Herbst angekündigten Pflegereform war ab Beginn des kommenden Jahres zumindest für einen Teil der Bezieher von Pflegegeld eine Erhöhung geplant und auch im ÖVP-FPÖ-Koalitionsabkommen vom Dezember 2017 festgeschrieben.