"Die Frage ist nicht, ob wir filmen, sondern wozu und wie"

Dieter Schindlauer plädiert ebenso für eine "Transparenz außerhalb des Apparates". Der Geschäftsführer des Vereins für Zivilcourage und Anti-Rassismus-Arbeit Zara fordert eine zuständige Stelle explizit für Betroffene von Polizei-Übergriffen. Die Aufzeichnungen der Bodycams, so wie sie aktuell in Österreich von der Polizei gehandhabt werden, hält Schindlauer jedoch für wenig sinnvoll. Mit Verantwortung und Transparenz habe das erst etwas zu tun, wenn dies im Rahmen einer Kulturveränderung passiere. "Die Frage ist nicht, ob wir filmen, sondern wie und wozu", sagt Schindlauer der "Wiener Zeitung". Es brauche vielmehr dringend ein Fehlerkalkül. "Wie in jeder vernünftigen Organisation muss ich wissen, was ich tue, wenn was schiefläuft - und das muss auch transparent gemacht werden."

Der Kriminalsoziologe Reinhard Kreissl schlägt in dieselbe Kerbe. Er hält Bodycams für grundsätzlich nicht schlecht. Sie gehören aber "ordentlich eingebunden mit entsprechenden datenschutzrechtlichen, strafprozessualen und ermittlungsrechtlichen Vorkehrungen", so der Berater, der ebenfalls in die Vorbereitung des Pilotprojekts in Österreich eingebunden war. Der Soziologe kritisiert außerdem das fehlende Prerecording in Österreich und die unabhängige Evidenz, die im Falle eines Ermittlungs- oder Strafverfahrens das gespeicherte Material beiden Seiten im Verfahren zum gleichen Zeitpunkt zur Verfügung stellt. In Österreich liegt das gesammelte Material nämlich bei der Polizei, diese speichert die Daten und wertet diese auch aus. In den USA ist hierfür eine unabhängige Beschwerdestelle zuständig.

International gibt es unterschiedliche Modelle, eine solche unabhängige Beschwerdestelle zu gestalten. Hamburg etwa hat eine externe Kommission bestehend aus Vertretern der Zivilgesellschaft und der Wissenschaft geschaffen. In Skandinavien und Australien sowie Nordirland wurden Ombudspersonen eingerichtet. Kreissl spricht sich für eine Regelung ähnlich der Volksanwaltschaft aus, bei der eine gemischte Kommission mit Expertise aus dem Bereich Polizei, Zivilgesellschaft und Justiz vertreten sind. Diese solle auch Zugriff auf entsprechende Beweismittel und forensische Informationen erhalten. Außerdem sei eine Ausweispflicht für Beamte zivilisatorischer Mindeststandard, sagt Kreissl der "Wiener Zeitung" und gibt zu bedenken, dass dies die Möglichkeit darstelle, zu zivilisieren, sich auf Augenhöhe zu begegnen und auch den Polizisten als Person anzuerkennen.