Wien/Leverkusen. Der Nationalrat hat sich am Mittwoch für ein Verbot des Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat ausgesprochen - es ist vorerst nur ein Fristsetzungsantrag. Jetzt kommen allerdings Zweifel auf, ob das so ohne Weiteres umzusetzen ist. Europarechtsexperte Walter Obwexer hat am Freitag darauf hingewiesen, dass in der EU-Pflanzenschutzverordnung, die auch für Österreich gilt, der Einsatz von Glyphosat noch bis Ende 2022 erlaubt ist. Ein Totalverbot sei nicht umzusetzen, sagte Obwexer den "Salzburger Nachrichten".

Anwendungsverbot möglich

Sehr wohl möglich sei der Beschluss eines Anwendungsverbotes von Glyphosat, dem die Kommission bei entsprechender Begründung auch zustimmen sollte. Mit dieser Variante konnte auch Kärnten schließlich noch den Einsatz des Unkrautvernichters gesetzlich beschränken.

In Österreich ist der Einsatz von Glyphosat zuletzt zurückgegangen. 2018 wurden laut der Agentur für Ernährungssicherheit (AGES) rund 242 Tonnen verkauft, die Jahre davor waren es meist mehr als 300 Tonnen.

Greenpeace bekräftigte allerdings seine Forderung nach einem umgehenden vollständigen Glyphosat-Verbot in Österreich. Die NGO sah ein solches auch umsetzbar. "Die Europäische Kommission hat selbst mehrfach betont, dass nationale Verbote trotz einer EU-weiten Zulassung des Wirkstoffs Glyphosat möglich sind", hieß es. Zudem würden neue Studien die Risiken von Glyphosat für Gesundheit und Artenvielfalt belegen.

Bayer sucht nach Alternativen

Der deutsche Pharma- und Agrarchemiekonzern Bayer, der Monsanto übernommen hat, hält zwar an seinem umstrittenen Unkrautvernichter fest, will aber zugleich in den kommenden Jahren fünft Milliarden in Alternativen investieren, teilte Bayer mit.