Graz. Auch zweieinhalb Monate später sind die Identitären noch formal in der Wohnung des Grazer FPÖ-Gemeinderats Heinrich Sickl eingemietet - es ist die Adresse ihres Hauptquartiers, dem sogenannten "Hackher-Zentrum". Damals wurden die Freiheitlichen von ihrem Ex-Koalitionspartner aufgefordert, Verstrickungen mit dem rechtsextremen Kader aufzulösen. Davor wurde bekannt, dass der Christchurch-Attentäter an die Identitären Geld spendete.

Sowohl im Vereinsauszug als auch in ihrem Webseiten-Impressum geben die Identitären nach wie vor die gleiche Adresse in Graz an. Der dortige FPÖ-Vizebürgermeister Mario Eustacchio, der im November 2016 selbst an einer Demonstration der Identitären teilnahm, forderte seinen Kollegen Sickl am 8. April 2019 auf, den Mietvertrag mit den Rechtsextremen "zum nächstmöglichen Zeitpunkt" aufzulösen.

Tatsächlich sollen die Identitären mit Ende des Monats ihr Hauptquartier räumen müssen. Laut einem Sprecher des Grazer FPÖ-Gemeinderatsklubs stehe das Ende des Mietverhältnisses unmittelbar bevor. "Die Identitären sind mit 1. Juli draußen." Zuvor hat sich der Sprecher mit Sickl, der sich auch für die Identitären engagierte, abgesprochen. Die Wohnung sei bereits an eine Familie vermietet worden, "die damit nichts zu tun hat". Dass die Identären nicht eher vor die Türe gesetzt wurden, habe mit Kündigungsfristen zu tun.

Die vage Distanz der FPÖ

Bevor die Ibiza-Affäre die türkis-blaue Regierung implodieren ließ, plagten sie wochenlang die Verstrickungen der FPÖ mit den Identitären. Eine Spende des Christchurch-Attentäters an den rechtsextremen Kader rief die Staatsanwaltschaft Graz auf den Plan. Diese ermittelt gegen Identitären-Obmann Martin Sellner sowie gegen dessen Lebensgefährtin wegen des Verdachts der Beteiligung an einer terroristischen Vereinigung. Die Spende von 1500 Euro erfolgte am 5. Jänner 2018, also bevor der Attentäter am 15. März 2019 in Neuseeland 50 Menschen ermordete. Zwischen dem Attentäter und Sellner bestand E-Mail-Kontakt.

Altkanzler Sebastian Kurz forderte von seinem damaligen Koalitionspartner FPÖ ein, sich von den Identitären zu distanzieren, die er als "widerlich" bezeichnete. Das ist für die Freiheitlichen nicht leicht. Diese Verstrickungen waren über Jahre gewachsen.