Der Landesparteitag der Wiener Grünen am Samstag ist seit Monaten anberaumt. Und es hätte dort in erster Linie nur um die Übergabe der Wiener Parteispitze von Maria Vassilakou an Birgit Hebein gehen sollen. Doch dann kam dieses Urlaubsvideo aus Ibiza. Der Nationalrat muss nun neu gewählt werden und damit auch das Team der Wiener Grünen für den 29. September.

Die bundespolitische Relevanz dieses Parteitages mag auf den ersten Blick nicht sehr groß erscheinen, schließlich ist die Öko-Partei derzeit nicht im Nationalrat vertreten, und die Wiener Landespartei ist zudem nur ein Teil von ihr. Aber es ist eben kein unbedeutender Teil. Zuletzt waren immerhin 7 von 24 Mandatare über die Wiener Liste ins Parlament gelangt, und die Wiener Landespartei hat sich auch inhaltlich von anderen grünen Landesgruppen unterschieden. Und genau das könnte nach dem 29. September von Bedeutung sein.

Ein einziges Mal hatte es nach einer bundespolitischen Wahl die Möglichkeit einer grünen Regierungsbeteiligung gegeben. Das war im Jahr 2002, als Wolfgang Schüssel die ÖVP auf 42 Prozent führte. Niemand hatte damit gerechnet, weder die Schwarzen noch die Grünen, die damals an die zehn Prozent erreichten.

In den Jahren davor war nur Rot-Grün als Option im Raum gestanden, in Deutschland unter Gerhard Schröder im Jahr 1998 auch Realität geworden. In Österreich aber kamen diese beiden Parteien nur bis auf zwei Mandate an eine Mehrheit im Nationalrat heran, konnten diese aber nie erreichen. Die stets schwächere Volkspartei war als möglicher Koalitionspartner gar nicht auf dem Radar gestanden - bis auf einmal die Gelegenheit da war.

Es folgten 2002 dann auch Sondierungs- und sogar Koalitionsverhandlungen zwischen Grün und Schwarz, eine Chance hatte die Liaison aber nicht wirklich, auch wenn ihr der damalige Parteichef Alexander Van der Bellen sogar "Charme" attestiert hatte.

Die Grünen waren allerdings völlig unvorbereitet in die Verhandlungen gegangen, da eben niemand an diese (rechnerische) Option dachte. Dazu kam: Der Wahlkampf der ÖVP war vor allem am Land geprägt davon, grüne Schreckensszenarien ("Haschtrafiken") zu zeichnen. Mit Erfolg. Die Volkspartei konnte zigtausende (ländliche) Wähler von den Grünen abziehen.

Wiener Grüne waren 2002 massiv gegen Koalition

Die Rahmenbedingungen für die Koalitionsgespräche waren also denkbar schlecht, ein direkter Wechsel von Blau zu Grün, und dies noch dazu mit fast derselben ÖVP-Mannschaft, war ein viel zu großer Schritt, als er gegangen werden konnte. Und zwar vermutlich für beide Parteien damals.