Wien. Erstmals waren im Vorjahr über den Brenner mehr Lkw unterwegs als über alle Schweizer und die französischen Alpenübergänge Frejus und Mont Blanc zusammen. Eine aktuelle Analyse des Verkehrsclub Österreich (VCÖ) zeigt, dass die Zahl der alpenquerenden Lkw-Fahrten in der Schweiz seit dem Jahr 2010 um ein Viertel zurückgegangen sind. Dagegen nahm die Zahl der Lkw-Fahrten über den Brenner um 30 Prozent zu.

2018 fuhren 2,4 Millionen Lkw über den Brenner

2,4 Millionen Lkw überquerten im Vorjahr den Brenner. Über die vier Schweizer Alpenpässe Gotthard, San Bernardino, Simplon, Gr. St. Bernhard und die zwei französischen Übergänge im inneren Alpenbogen, Frejus und Montblanc, fuhren gemeinsam 2,37 Millionen Lkw, wie die VCÖ-Analyse auf Basis von Daten des Schweizer Bundesamts für Verkehr zeigt.

Die Entwicklung seit dem Jahr 2000 zeige, dass sich der Lkw-Transit immer stärker auf den Brenner verschiebe. Damals ging es erst um 1,56 Millionen Lkw im Jahr und nicht 2,4 Millionen wie 2018. Der Lkw-Verkehr über die vier Schweizer Alpenübergänge alleine ging dagegen von 1,4 Millionen Lkw im Jahr 2000 auf 941.000 im Vorjahr zurück.

Hohe Mauten verdrängen Lkw-Verkehr

VCÖ-Experte Markus Gansterer nennt drei zentrale Gründe, warum der Schweiz diese Reduktion des Alpentransits gelang. "Die Lkw-Maut ist dort deutlich höher als in Österreich, weil auch die von Lkw verursachten Umwelt- und Gesundheitsschäden berücksichtigt werden." Diesel, der Treibstoff der Lkw, werde in der Schweiz höher besteuert als Benzin, in Österreich ist es genau umgekehrt. "Und die Schieneninfrastruktur wird in der Schweiz seit drei Jahrzehnten konsequent ausgebaut und verbessert", erläutert Gansterer.

Der VCÖ fordert folglich unter anderem eine EU-weite Mindestmaut für Lkw und ein Ende der Steuerbegünstigung von Diesel. Zudem soll eine
Alpentransitbörse eingeführt und die Zahl der Lkw-Fahrten gedeckelt
werden.

Platter will Fahrverbote ab Oktober auch auf Lkw ausweiten

Derweil hält der  Tiroler Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) auch nach einem Gespräch mit EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker "unverrückbar" an den umstrittenen Pkw-Fahrverboten und an der Lkw-Blockabfertigung in Tirol fest.

"Die Position ist klar: Wir bleiben dabei, was diese Fahrverbote betrifft für Pkw, damit wir nicht einen kompletten Verkehrsstillstand in den Ortschaften haben. Wir bleiben dabei, dass die Blockabfertigung weiter fortgesetzt wird, weil wir es tun müssen. Beides ist EU-konform. Der Dialog hat aber stattzufinden", sagte Platter.

Er habe größtes Interesse daran, eine Korridormaut zustande zu bringen. In dieser Frage müsse sich Bayern bewegen, um die Strecke München-Verona weniger attraktiv für den Lkw-Güterverkehr zu machen, die Beförderung von Gütern auf der Straße sei zu billig. 40 Prozent des Lkw-Verkehrs wären durch entsprechende Maßnahmen vermeidbar, sagte Platter.

Tirol will ab 1. Oktober auch Lkw der Euroklasse VI in das Sektorale Fahrverbot mitaufnehmen, wartet dafür aber noch auf Zustimmung der EU. "Ich werde diese Angelegenheit mit dem Verkehrsausschuss des Landtages besprechen, und dort wird dann die weitere Vorgangsweise festgelegt", sagte Platter. Auf die Frage, ob der Oktober haltbar sei, antwortete er: "Am Zeittermin ändert sich nichts, wir müssen ja bestimmte Fristen einhalten, das wird über den Oktober hinausgehen." (red / apa)