St. Pölten. Die FPÖ Niederösterreich hat Udo Landbauer zum neuen Landesparteiobmann gekürt. Der bisher geschäftsführende Chef der Freiheitlichen im Bundesland, der Anfang 2018 im Zusammenhang mit der NS-Liedgut-Affäre seine politischen Funktionen niedergelegt hatte, folgt damit per 1. Juli Walter Rosenkranz nach. Der ehemalige FPÖ-Klubobmann auf Bundesebene wird ab Montag als Volksanwalt fungieren.

Eine Unvereinbarkeit der Funktion des parlamentarischen Ombudsmanns mit der Position des Landesparteiobmanns gebe es zwar nicht. Seiner Meinung nach könne man in diesem Amt jedoch "nicht mehr in der Tagespolitik aufscheinen, insbesondere an prominenter Stelle", sagte Rosenkranz zu den Beweggründen für die Staffelübergabe an Landbauer. Auch sein Nationalratsmandat werde er mit Sonntag zurücklegen, sagte der 56-Jährige. Wehmut habe er dennoch keine. Volksanwalt zu sein, sein eine "derartig große Aufgabe, dass es keinen Anlass dazu gibt, dass einem da etwas leidtut."

Am 9. Juni 2013 sei er bei der Übernahme der Landespartei "mit einem neuen Team" und "einer schlagkräftigen Truppe" aufgebrochen. Die FPÖ Niederösterreich sehe er nun "gerüstet für die eher überraschende Nationalratswahl und die Gemeinderatswahl".

Einstimmiger Beschluss

Die Bestellung von Landbauer zum Rosenkranz-Nachfolger wurde nach Angaben der Freiheitlichen vom Landesvorstand einstimmig beschlossen. Ein Landesparteitag sei dafür nicht notwendig, wurde betont. Die Kür Landbauers sei zudem "der eindeutige Wunsch unserer kompletten Funktionärsschicht und Basis", betonte Rosenkranz.

Der frisch gebackene FPNÖ-Chef sagte, dass sich die Partei thematisch "den Punkten der letzten Jahre" treu bleiben werde. Konkret genannt wurde von Landbauer etwa der Einsatz für leistbares Wohnen, wo "die ÖVP meilenweit hinter uns her hoppelt". In Rosenkranz' Amtszeit seien die Freiheitlichen Niederösterreichs, auch im Quervergleich mit anderen Landesparteien, "ein starker Faktor" geworden.

"Nächster Schritt" sei nun aber die Nationalratswahl im September. "Ich bin überzeugt, dass sich hier noch einige Wundern werden, welches Ergebnis wir hier in Niederösterreich mit Herbert Kickl (dem Erstgereihten auf der Landesliste, Anm.) zustande bringen werden", sagte Landbauer, der weiter geschäftsführender Obmann des FPÖ-Landtagsklubs bleiben wird. Gefragt nach einer Bundesland-Zielmarke für das Abschneiden bei der Nationalratswahl sagte Landbauer: "Alles, was irgendwo bei 20 Prozent liegt, ist schon mal sehr gut. Aber es ist auch nach oben hin alles möglich."

Landbauer hatte am 1. Februar 2018 - vier Tage nach der Landtagswahl - im Zusammenhang mit der Liederbuch-Affäre bei der Burschenschaft Germania alle politischen Funktionen zurückgelegt. Nachdem die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt wegen NS-Wiederbetätigung gegen vier Personen, die für die Zusammenstellung und Illustration der sichergestellten Liederbücher der Wiener Neustädter Burschenschaft verantwortlich zeichneten, im August des Vorjahres eingestellt worden waren, kehrte Landbauer in die Politik zurück.

Er übernahm die Funktion des geschäftsführenden Obmanns des FPÖ-Landtagsklubs. Im September 2018 wurde Landbauer auch zum geschäftsführenden Landesparteiobmann bestellt. (apa)