Die Kandidatenliste der Wiener Grünen für die Nationalratswahl 2019 zeigt das auch. Hammer ist der einzige mit politischem Umweltfokus. Der Rest der acht Kandidaten steht für Bildung, Migration und Gleichberechtigung. Markus Koza sticht als Gewerkschafter heraus. Aber auch in Tirol ist mit dem Mikrobiologen Heribert Insam nur ein Umweltexperte auf der grünen Bewerberliste. Offen ist, ob Insam überhaupt auf eine wählbare Stelle kommt.

Der Weg von Umweltorganisationen zu den Grünen ist kein gängiger. Zuletzt kam Eva Glawischnig, damals juristische Expertin von Global 2000, direkt von einer Umwelt-NGO zu den Grünen. Neben ihr waren laut den offiziellen Lebensläufen nur die Ex-Politikerinnen Brigid Weinzinger (Bundessprecherin Global 2000) und Bettina Hradecsni (Öffentlichkeitsarbeit WWF Österreich) bei NGOs aktiv - allerdings Jahre vor ihrer Abgeordneten-Zeit.

Die Klimaschutz-Expertise an sich ist im Lebenslauf der meisten Grünen nicht verankert. In der aufkeimenden Umweltbewegung (Zwentendorf 1978 und Hainburg 1984), tummelte sich eine bunte Truppe quer durch alle politischen Lager, Gesellschaftsschichten und Berufsgruppen. Ähnlich heterogen entstanden die Grünen, wo sich neben Konservativen auch Linke einfanden, für die die Ökos eine Alternative zur Sozialdemokratie waren. Das Umweltthema war ein Gründungselement. Die Leute in der Bewegung waren aber mehr engagierte und bewegte Aktivisten als universitär ausgebildete Ökologen. Für eine wirkungsvolle Umweltpolitik ist das freilich kein Widerspruch.

Ein Beispiel dafür ist Landesrat Anschober, der in Oberösterreich nicht nur in Sachen Migration mit seinem Programm "Ausbildung statt Abschiebung" auffällt, sondern auch in Umweltfragen. Zuletzt startete er die Petition "Klimaschutz jetzt!", die zum Ziel hat, die Pariser Klimaziele in der Verfassung zu verankern und eine ökosoziale Steuerreform auf den Weg zu bringen.

Wenige Grüne wie der jetzige Tiroler Bürgermeister Georg Willi oder die frühere Abgeordnete Christiane Brunner haben Ökologie oder Umweltsystemwissenschaften studiert, 2017 flog mit Wolfgang Pirklhuber ein Agrarökologe aus dem Parlament, der Bioverbands-Chef war.

Wirtschaft und Umwelt
"unter einen Hut bekommen"

Kogler sieht kein Missverhältnis zwischen Sozialem und Umwelt in seiner Ökopartei. Er nennt die langjährige Salzburger Grünen-Chefin und Landeshauptmann-Stellvertreterin Astrid Rössler, die bei der Nationalratswahl im Herbst als Listenerste in Salzburg ihr politisches Comeback feiert. Rössler trat nach der Niederlage bei der Landtagswahl 2018 zurück, als sich die Grünen auf rund neun Prozent halbierten. Rössler ist in Sachen Umweltschutz unter den grünen Landesspitzen alleine. Die Juristin arbeitete zehn Jahre lang in der Salzburger Landesumweltanwaltschaft, ist Lektorin für nachhaltigen Tourismus am Institut für Tourismus und Hotelmanagement und ist Obfrau des Anrainerschutzverbandes Salzburg Airport. In Niederösterreich stehe die Vizebürgermeisterin von St. Andrä-Wördern, Ulrike Fischer, auf dem zweiten Listenplatz, sagt Kogler. Die Konsumentenschützerin sei "sehr ökobezogen". In Kärnten und dem Burgenland stünden Biobauern auf der Bewerberliste. Mit weiteren Ökos sei noch zu rechnen. Wie viele davon ins Parlament kommen, bleibt abzuwarten.