Unter Bayerns Politikern werden die während der Feriensaison verhängten Straßensperren von Ausweichrouten für Durchreisende nicht nur verurteilt. Während der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) lautstark protestiert und eine Klage bei der EU will, zeigt etwa der Tölzer Landrat Josef Niedermaier (FW) mehr Verständnis gegenüber den Tiroler Nachbarn.

Unter Umständen, sagt er, könnten ähnliche Fahrverbote auch ein Thema in seinem Landkreis werden, sagte der bayerische Regionalpolitiker in einem Interview mit dem "Münchner Merkur" (Donnerstagausgabe).

Negative Auswirkungen sieht Niedermaier durch die umstrittenen Sperrungen im Nachbarland auf seinen Landkreis nicht. "Wenn überhaupt, dann entlasten uns die Sperrungen eher. Von Tirol kommend werden dadurch eventuell weniger Autofahrer die Abkürzung über Achensee zu uns nehmen."

Niedermaier ist dafür, sich die Begründungen für die Sperren genau anzuhören. Die Tiroler begründeten sie mit der öffentlichen Sicherheit und Ordnung in den Dörfern, durch die die Ausweichrouten führten. Bei Patsch an der alten Römerstraße etwa - wenn da Wohnwagen-Gespanne in engen Ellbogen-Kurven festhingen, sei die Zufahrt für die Feuerwehr irgendwann tatsächlich blockiert. Gefahr für Leib und Leben sei ein gewichtiger Grund.

"Natürlich" werde zu prüfen sein, ob die Belastung der Ausweichrouten tatsächlich so groß sei, so der Tölzer Landrat. "Aber wenn Sie daran denken, was passiert, wenn in dem Gebiet ein großer Unfall passiert, dann ist es auf alle Fälle gerechtfertigt, freie Rettungswege zu gewährleisten."

Diskussion in Deutschland

In dem Zeitungsinterview werden auch stark belastete Ausweichstrecken in Bayern thematisiert, etwa die B 11 über den Kesselberg. Wenn sich die Sperrungen in Tirol als rechtlich haltbar erweisen, dann werde die Diskussion "sicher auch bei uns aufkommen", glaubt der Politiker. "Wenn die Ortschaft Walchensee tatsächlich für den Rettungsdienst nicht erreichbar ist, weil der Kesselberg dicht ist, dann könnte es geboten sein - aber wirklich nur dann!"

Man dürfte natürlich nicht sagen: "Ich sperre die B 11, weil ich dort nicht so viele Autos haben möchte und um die Besucherzahl am Walchensee zu verringern. Das wird definitiv nicht gehen." Das verbieten Bundes- und Landesbehörden, denn Bundesstraßen seien ja gerade dafür gemacht, den überregionalen Verkehr aufzunehmen. Die Diskussion, es den Tirolern mit Vergeltungsmaßnahmen heimzuzahlen, hält Niedermaier ohnehin für "kindisch und pubertär". "Es wäre auch unsinnig, wenn wir da gegeneinander arbeiten, weil wir beide wissen, dass wir ähnliche Verkehrsprobleme haben."

Der Bad Tölzer Politiker - der als einziger Bayer auch in der Bürgermeister-Musikkapelle des Bezirks Schwaz spielt - hat recht gute Kontakte nach Tirol. Michael Brandl, der Bezirkshauptmann von Schwaz, habe ihn angerufen und ihm die Gründe für die Straßensperrungen erklärt. (apa)