Brüssel/Wien. (pech) In Italien, aber noch mehr in Deutschland herrscht helle Aufregung um die Lkw-Blockabfertigung am Brenner. Bei der Blockabfertigung lässt Österreich pro Stunde nur bestimmte Kontingente an Lastwagen - in der Regel 250 bis 300 - über die Grenze. Dadurch sollen Staus auf den österreichischen Autobahnen verhindert werden. Andererseits bilden sich dadurch Rückstaus in Deutschland und auch in Italien.

Für Montag hat EU-Verkehrskommissarin Violeta Bulc Vertreter von Österreich, Deutschland und Italien nach Brüssel eingeladen, um dieses Thema zu erörtern. Sie selbst war nicht dabei. Ergebnis war laut Verkehrsministerium keines zu erwarten. Es habe sich um ein erstes Treffen gehandelt, hieß es zur "Wiener Zeitung".

Tirols Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) ist zwar für Gespräche, machte aber auch in der Vorwoche wieder klar, dass Tirol an den Fahrverboten auf den Autobahnausweichstraßen sowie den Lkw-Blockabfertigungen festhalte, werde. Vergangenes Wochenende, an dem es bei Innsbruck und in den Bezirken Reutte und Kufstein Fahrverbote beziehungsweise Dosierungen gab, sind am Kontrollpunkt in Patsch allein am Samstag rund 220 Autofahrer und 170 Motorradlenker auf die Autobahn zurückgewiesen worden.

Die deutsche Industrie dringt im Transitstreit auf eine schnelle Lösung. Instrumente wie Blockabfertigungen von Lastwagen behinderten den freien Warenverkehr massiv und könnten erhebliche Schäden verursachen, sagte Holger Lösch, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI). Zwar sei das Anliegen Tirols, die Auslastung der Inntal- und Brennerautobahn zu reduzieren, nachvollziehbar, so Lösch laut einer Meldung der Deutschen Presseagentur (dpa). "Statt wohlstandsgefährdender Verkehrsbehinderungen braucht es jedoch gangbare Transportalternativen für den Langstreckentransport zwischen Deutschland und Italien." Kurzfristig wirksam für die Entlastung der Bevölkerung seien Anreize, auf der Brennerroute besonders saubere und besonders leise Lkw zu verwenden.

Allerdings ist die Schiene bis zur Fertigstellung des Brennerbasistunnels keine Alternative. Und das kann noch dauern, weil vor allem in Deutschland die Schienenzuläufe zum Brennerbasistunnel noch Zeit brauchen.