Wien. Mehrmals schon wurde seine Veröffentlichung angekündigt, mehrmals schon wurde eben diese verschoben: Der Historiker-Bericht zur Geschichte der FPÖ hängt weiter in der Warteschleife. Trotz Umwälzungen an der Parteispitze aufgrund des Rücktritts von Heinz-Christian Strache nach der "Ibiza-Affäre" solle dies aber nicht zu lange dauern, hieß es aus dem Büro des designierten Parteiobmanns Norbert Hofer. Der Bericht sei im Großem und Ganzen fertig, sagte Kommissions-Mitglied Andreas Mölzer zur APA. Am vergangenen Montag hätte er eigentlich präsentiert werden sollen, das berichtet der "Kurier" in seiner Dienstagausgabe. 

Die Verschiebungen der Veröffentlichung ist dem Vernehmen nach der FPÖ-Parteispitze geschuldet, dieser sollen erste Endfassungen nicht kritisch genug erschienen sein. Zahlreiche Historiker hatten die Komission in einem offenen Brief heftig kritisiert und die Arbeitsweise und Zusammensetzung der Kommission - die Steuerungsgruppe besteht ausschließlich aus FPÖ-nahen Personen oder FPÖ-(Alt)Politikern - bemängelt. Der genaue Forschungsgegenstand sei nicht offen gelegt worden, die für die Kommission tätigen Forscher waren zum damaligen Zeitpunkt der Öffentlichkeit nicht vorgestellt worden und waren erst durch Zeitungsberichte bekannt geworden. Man könne bestenfalls von einer "parteiinternen Arbeitsgruppe mit unbekannten Mitgliedern" sprechen, schrieben die Wissenschafter in ihrem offenen Brief. Und: "Eine wissenschaftliche Aufarbeitung kann nie Diskretion für sich in Anspruch nehmen, sondern muss von Transparenz bestimmt sein". 

Leiter der von der FPÖ dafür eingesetzten Historikerkommission ist der frühere freiheitliche Politiker Wilhelm Brauneder. In der "Wiener Zeitung" hatte angekündigt, aufgrund jüngster Entwicklungen nun auch die möglichen Kontakte freiheitlicher Politiker zu den rechtsextremen Identitären zu beleuchten.

Angeblich mehr als 1000 Seiten 

"Die Arbeit ist fertig", meinte der freiheitliche Ideologe Mölzer, zur APA. An ein, zwei Details werde aber noch gearbeitet. Wann dieser präsentiert werden soll, konnte er aber nicht genau sagen. Möglich sei, dass dies im Zuge einer Neuaufstellung der Freiheitlichen, etwa vor dem Parteitag, geschehen könnte. Immerhin sei der Bericht "doch sehr selbstkritisch" ausgefallen. Das Dokument soll mehr als 1.000 Seiten umfassen und eine "umfangreiche, selbstkritische und schonungslose Aufarbeitung der FPÖ-Geschichte sein". 

Aus Hofers Büro hieß es, dass der neue Parteichef auf eine baldige Veröffentlichung jedenfalls hohen Wert legt. Auch dort konnte man einen fixen Termin aber noch nicht in Aussicht stellen. Die "Historikerkommission" war von der FPÖ-Parteispitze bereits im Frühjahr 2018, infolge der "Liederbuchaffäre" in der Burschenschaft Germania zu Wiener Neustadt, eingesetzt worden.