WIen. Johannes Hahn (ÖVP) dürfte weiter Österreichs EU-Kommissar bleiben. Bundeskanzlerin Brigitte Bierlein hatte Hahn am Donnerstag vorgeschlagen. Die Parlamentsparteien sind - nicht zuletzt aufgrund der innenpolitischen Ausnahmesituation - weitgehend einverstanden. Nur, dass Bierlein keine Frau für den Posten vorschlug, stößt manchen sauer auf.

Sowohl die ehemaligen Koalitionspartner ÖVP und FPÖ als auch die Liste JETZT kündigten bereits Donnerstagnachmittag an, den früheren Wiener ÖVP-Obmann und Wissenschaftsminister zu unterstützen. Auch SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner erklärte ihre Zustimmung unter Vorbehalten, auch wenn sie lieber eine Kandidatin als Alternative gehabt hätten. Die NEOS hätten sich ebenfalls eine weibliche Kandidatin gewünscht. Und die Grünen forderten einen Dreier-Vorschlag.

Hofer: "Es ist eine kluge Entscheidung"

ÖVP-Klubobmann August Wöginger erklärte, Hahn sei ein sehr erfahrenes Kommissionsmitglied und in Europa bestens vernetzt und über die Parteigrenzen hinweg angesehen. Mit ihm werde Österreichs Verlässlichkeit und Kontinuität in der EU Kommission fortgesetzt.

FPÖ-Chef Norbert Hofer meinte, er habe mit Kanzlerin Bierlein schon darüber gesprochen. "Es ist eine kluge Entscheidung, in der jetzigen Situation einen erfahrenen Kommissar zu nominieren, der in der Kommission das nötige Gewicht einbringt", sagte Hofer zur APA.

Rendi-Wagner, forderte Hahn auf, sich dazu zu bekennen, eine ganze Periode zu machen, da es nur so Chancen gebe, dass Österreich ein wichtiges Ressort erhält. Lieber wäre es der SPÖ-Chefin freilich gewesen, hätte die Regierung eine Frau nominiert, da sie wie die designierte Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen der Meinung sei, dass die Kommission weiblicher werden sollte. Der SPÖ-Delegationsleiter im EU-Parlament Andreas Schieder forderte Bierlein auf, auch einen Vorschlag mit einer weiblichen Kandidatin zu unterbreiten.

Neos wünschen sich Kandidatin

Die gleiche Meinung vertrat NEOS-EU-Parlamentarierin Claudia Gamon. Sie hätte sich sehr gewünscht, dass auch eine Kandidatin ins Rennen geschickt werde: "Von unserer ersten Bundeskanzlerin hätte ich mir dahin gehend mehr erhofft." Zudem betont Gamon die aus ihrer Sicht bestehende Notwendigkeit eines öffentlichen Hearings: "Die Abgeordneten müssen die Chance bekommen, Fragen zu stellen, um eine fundierte Entscheidung treffen zu können."