Wien. Der Südtiroler Speck ist eine Spezialität und mit dem EU-Siegel "g.g.A.", was geschütze geografische Angabe" bedeutet, ausgestattet. Er wird 22 Wochen gereift, ehe er zum Verzehr verschickt wird. Aber der Speck hat schon vor seiner Reifung einige Kilometer sozusagen im Schlegel. Denn die Schweinehälften werden oft tausende Kilometer weit angekarrt, in einer Südtiroler Fabrik geräuchert und gereift und dann wieder exportiert.

"Das ist nur möglich, weil der Transport so billig ist", sagt Verkehrsexperte Helmut Holzapfel von der Universität Kassel zur "Wiener Zeitung". Er kritisiert: "Europaweit wird - weil ein Exportland wie Deutschland glaubt, es würde davon profitieren - der Lkw-Verkehr subventioniert."

Transport-Distanzen in
30 Jahren verdoppelt

- © M. Hirsch
© M. Hirsch

Die Transport-Distanzen für Konsumgüter insgesamt haben sich in den letzten 30 Jahren in etwa verdoppelt - wie die Österreichische Gesellschaft für Umwelt und Technik berechnet hat. Österreich ist als Transitland - zwei Drittel des Lkw-Güterverkehrs, der durch Österreich rollt, entsteht durch Firmen aus dem Ausland - besonders betroffen von höheren Transportvolumina. Vor allem Tirol, weshalb Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) zunehmend ungeduldig und in seinen Maßnahmen zur Verkehrseindämmung rigoroser wird. Worüber wiederum in Bayern Unmut herrscht. Zuletzt hat Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) eine europaweite Lösung der Maut ins Spiel gebracht.

Über die Frage, wie Autobahngebühren in Europa künftig geregelt sein sollen, haben die EU-Verkehrsminister zuletzt Anfang Juni debattiert. Der Vorschlag der EU-Kommission, zeitgebundene Mautsysteme - die Vignette - in Bälde abzuschaffen und durch streckenabhängige Gebühren zu ersetzen, findet wenig Anklang unter den Mitgliedstaaten. Österreich ist besonders skeptisch.

Frächter suchen
den günstigsten Weg

Aus der Vertretung der EU-Kommission in Österreich heißt es dazu: Frächter suchen den günstigsten Weg aus. Es gehe um die technische Verfügbarkeit und um Einfachheit von Alternativen. Daher brauche es mehr Terminals, die an Straßen, Wasserstraßen und Schienen andocken. Als positives Beispiel wird hier der Wiener Hafen genannt. Was die Maut betrifft, hieß es aus der EU-Vertretung, es brauche eine sinnvolle Lösung, die Umgehungsmöglichkeiten ausschließe. Und schließlich sei auch der Kampf gegen den Klimawandel zu berücksichtigen. "Emissionen müssen einen Preis haben, damit das Verhalten geändert wird."