"Ich glaube nicht, dass es in absehbarer Zukunft eine EU-weite Pkw-Maut gibt", sagt Verkehrsexperte Holzapfel. Der Grund: Es gibt zu viele unterschiedliche Eigentumsverhältnisse bei den Straßen - in Italien und Frankreich sind die Autobahnen großteils oder zur Gänze privat. Und es gibt zahlreiche unterschiedliche Systeme, selbst bei den Vignetten.

Im Übrigen glaubt Holzapfel, dass Söders Vorschlag einer europaweiten Maut eine Ablenkung davon ist, "dass man es nicht geschafft hat, in Deutschland eine vernünftige Lösung zu finden, die funktioniert".

Schwerverkehr muss europäisch geregelt sein

Sein Kollege Heiner Monheim, Professor Emeritus der Uni Trier, sagt: "Schwerverkehr muss europäisch geregelt werden - und zwar zeitgerecht." Tatsächlich müsse es ein System geben, das alle Fahrzeuge und Wege umfasse - vom Feldweg über die Autobahn bis zum ruhenden Verkehr. Gezahlt müsse nach Gewicht des Fahrzeugs, nach Emissionen, nach Uhrzeit usw. werden. "Das ist die Einführung der Marktwirtschaft im Verkehr." Am einfachsten wäre nach Ansicht Monheims ein Boardcomputer in jedem Fahrzeug, der wie ein Taxameter permanent die Kosten ausweist. "Wer fährt, zahlt", sagt er. Dann würden viele Transporte mit der Bahn erfolgen und viele auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen.

Er verweist auf eine Studie der niederländischen Hochschule Delft, die deutlich weniger Verkehr, weniger Emissionen und weniger Unfälle bei intelligenten Lösungen vorhersagt. Allerdings gesteht der Verkehrswissenschafter zu, dass es für eine europäische Lösung wegen der unterschiedlichen Systeme Übergangsfristen braucht. Aber in fünf Jahren, so glaubt er, wird es eine europäische Maut geben.

Ein Lkw richtet 50.000mal mehr Schaden an als ein Pkw

"Natürlich brauchen wir eine vernünftige Maut", sagt auch Holzapfel. Ein schwerer Lkw würde mehr als 50.000mal so viele Schäden anrichten wie ein Pkw (verglichen wird hier ein mehr als vier Meter langer Lkw ab 42 Tonnen mit einem Pkw von 1,5 Tonnen). Aber auch hier würde es nur helfen, wenn man in einem ersten Schritt um den Faktor zwei bis drei teurer wird. "Es muss sich aber die Politik generell ändern, wenn wir 2050 klimaneutral unterwegs sein wollen." Dazu bräuchte es eine Abkehr von der desaströsen Verkehrspolitik und es müsse zu einer massiven Verlagerung der Güter auf die Bahn kommen. Der Lkw-Verkehr müsste dann um den Faktor zehn teurer werden, sagt Holzapfel.

Würde man für Lkw die Kosten verzehnfachen, würde das in Österreich für schwere Brummer drei Euro pro Kilometer ergeben. "Das ist illusorisch", sagt Sebastian Kummer, Vorstand des Instituts für Transportwirtschaft und Logistik an der WU Wien. Und das würde periphere Gegenden noch einmal benachteiligen. Österreich habe schon heute mit Abstand die teuerste Lkw-Maut in der EU. Nur die Schweiz sei noch teurer.