Orth an der Donau. Sie sitzt Seite an Seite mit ihrer ehemaligen SPÖ-Regierungskollegin Sonja Hammerschmid und lauscht den Ausführungen des IST-Austria-Präsidenten Tom Henzinger, dem Institut für Science and Technology. SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner ist als Spitzenkandidatin auf Österreich-Tour für die Nationalratswahl auf dem Campus des Spitzenforschungsinstituts in Gugging bei Klosterneuburg eingeladen. Mit Ex-Bildungsministerin Hammerschmid hört sie, wie Henzinger aufzählt, dass mehr als 120 Millionen Euro aus Drittmitteln hereinkommen. Sie hakt ein, als davon die Rede ist, dass es mit Spenden wie in den USA oder Israel hapere. "Das gibt’s gar nicht", betont sie.

So richtig in ihrem Element ist die gelernte Medizinerin und frühere Gesundheitsministerin bei dem Campus-Rundgang, als es im Medizin-Labor um das Immunsystem geht. Sie hört interessiert zu, als geklagt wird, dass die Österreicher zwar stolz auf die Erfolge ihrer Skifahrer seien, der zweite Platz für die Forschungsstätte im internationalen Vergleich aber nicht so gewürdigt werde. "Die Gesellschaft muss das als wichtigen Bereich für die Zukunft sehen", sagt die SPÖ-Vorsitzende. Das gehe, indem etwa auf die Onkologie verwiesen werde.

Zu Mittag hört Rendi-Wagner wieder zu. Diesmal bei Gulaschsuppe und Natursäften auf dem Biohof Adamah in Glinzendorf im Marchfeld wenige Kilometer von der Wiener Stadtgrenze entfernt. Hier erzählt Bio-Altbauer Gerhard Zoubek von der Landwirtschaft, die von der Familie weitergeführt wird, über den tieferen Sinn von biologischer Produktion. Zwischen Obstpaletten, Strohballen und spielenden Kindern macht sich ein Arche-Noah-Gefühl breit. Tiefgrünes politisches Terrain gleichsam. Urbanität trifft Land in Person von Rendi-Wagner, die aus einem Gemeindebau in Wien-Favoriten im Berufsleben aufgestiegen ist und im Herbst 2018 überraschend zur ersten Parteichefin der einstigen Arbeiterpartei SPÖ geworden ist.

Auf grünem Terrain kommt das Glyphosat-Verbot an

Auch Biobauern mit großem Vertrieb sind Unternehmer. 130 Mitarbeiter sind im Einsatz. Daher klagt der Bio-Vorkämpfer, er würde sich eine Senkung der Lohnnebenkosten wünschen. "Glyphosat verbieten, find i genial", setzt er fort. Das geht bei der roten Wahlkämpferin runter wie der Bioapfelsaft am Hof. Denn ihre Partei hat mit FPÖ-Hilfe ein Totalverbot beschlossen. Sie kämpfe schon seit ihrer Zeit als Gesundheitsministerin dagegen, sagt Rendi-Wagner. Die ÖVP, die gebremst habe, kriegt noch ihr Fett ab. "Unkrautvernichtungsmittel" nennt sie Glyphosat.