Wien. Es waren bedrückende Worte, die vor kurzem zu hören waren: Marion B. erzählte unterstützt von ihrer Anwältin Karin Prutsch von der Geburt ihrer Tochter Gloria im Sommer 2014 in der Klinik Diakonissen in Schladming: "Es ging mir von Anfang an mit den Wehen nicht gut", sagte sie vor Journalisten in Graz. Trotzdem sei während der Geburt zwar eine Hebamme, aber kein Arzt dabei gewesen. Die Hebamme habe das Kind nach der Geburt "in die Hand genommen und gesagt: Ma, Mausi, atme! Atme!" Ihre Tochter sei "blau-weiß" angelaufen gewesen. Als der von der Hebamme viel zu spät gerufene Gynäkologe eintraf, sei Gloria bereits eine Stunde tot gewesen.

Anwältin Prutsch erläutert auf Nachfrage der "Wiener Zeitung", dass während der Geburt von Gloria "laut den Ausführungen des Sachverständigen mehrere Fehler gesetzt wurden, welche zum tragischen Ableben führten" - darunter das Versäumnis der Hebamme, den Facharzt zu verständigen. Blutungen im Abdomen der Mutter wären außerdem durch den erst später beigezogenen Facharzt verspätet diagnostiziert worden.

Marion B.s Zivilprozess endete mit einem Vergleich, sie erhielt 35.000 Euro. Die Anwältin vertritt nun fünf Frauen in einem Strafprozess gegen drei Hebammen, einen Facharzt sowie die Klinik Diakonissen Schladming. Es geht laut Strafantrag um die Verantwortung für "grobfahrlässige Körperverletzung".

Wie das Krankenhaus überprüft wurde

Die Staatsanwaltschaft Leoben legt dem Krankenhausträger laut Strafantrag und der Anwältin zur Last, dass das Krankenhaus "die Pflicht zur Gewährleistung einer fachgerechten geburtshilflichen Behandlung von Patienten unterlassen hat". Die "Einhaltung der sanitätsbehördlichen Auflagen, wonach bei jeder Geburt ein Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe beizuziehen ist", sei nicht kontrolliert worden.

Noch am selben Tag nach der Pressekonferenz ließ die Klinik Diakonissen Schladming per Aussendung wissen, man "bedauert ausdrücklich - unabhängig davon, ob ein Behandlungsfehler vorliegt oder nicht -, wenn Patienten zu Schaden gekommen sind." Aber: Ein Organisationsverschulden seitens der Klinik "für diese bedauerlichen Einzelfälle wird nach wie vor bestritten". Seither sei man mehrfach behördlich überprüft worden, "es gab im Zeitraum seit 2015 keinerlei Beanstandungen seitens der Behörde". Außerdem unterliege die Klinik regelmäßigen qualitätssichernden Überprüfungen seitens der Behörde.