Wien. (sir) Es könnte eine Punktlandung für das Arbeitsmarktservice (AMS) werden. Oder sogar mehr. Als die Fluchtkrise im Jahr 2015 auf ihrem Höhepunkt war, tauchten viele, viele Fragen auf. Wie viele kommen noch? Wie läuft die Integration? Wie viele werden arbeiten? Wie viele dauerhaft keine Chance haben? Aus Deutschland gab es qualifizierte Schätzungen, dass in fünf Jahren die Hälfte in Beschäftigung sein könnte. Das AMS übernahm, auch aufgrund vergleichbarer Rahmenbedingungen, diese Schätzung.

Heute, vier Jahre danach, ist klar, dass der Zustrom abgeebbt ist. Im ersten Halbjahr 2019 gab es wieder ein Minus von 20 Prozent bei den Anträgen. Und auf dem Arbeitsmarkt könnte nun wirklich das eintreten, was vor Jahren prognostiziert worden war - und von Arbeitsmarktexperten als sehr optimistisch gewertet wurde.

Dass das AMS auf gutem Kurs der eigenen Erwartungen liegt, hat die "Wiener Zeitung" bereits vor Monaten berichtet. Das Arbeitsmarktservice hatte sich dabei zwei Gruppen genau angesehen und miteinander verglichen, nämlich Personen, die 2015 und Personen, die 2016 Schutz erhielten und als Asyl oder subsidiär Schutzberechtigte Zugang zum Arbeitsmarkt erhielten. In den Monaten seit März ist nun wieder einiges weitergegangen.

Die erste Vergleichsgruppe hat sich beim Anteil der Beschäftigten von 39 auf 44 Prozent verbessert, da fehlt also nicht mehr viel auf die 50 Prozent, die vor vier Jahren als Ziel ausgegeben worden waren. Und auch die zweite Gruppe, die 2016, also vor drei Jahren Asyl erhielt, hat sich von 34 auf fast 40 Prozent gesteigert.

Alles gut? Alles im Fluss? Das wohl auch nicht. Derzeit sind neun Prozent aller Arbeitslosen Flüchtlinge, sie sind beim AMS also massiv überrepräsentiert. In Zahlen waren es zuletzt 29.561 Geflüchtete, die offiziell arbeitslos waren, also beim AMS registriert waren. Der Großteil betrifft vor allem Personen aus vier Nationen, nämlich aus den Hauptfluchtländern Syrien, Afghanistan, Iran und Irak. Doch auch da gibt es gute Nachrichten.

Eigene Netzwerke sind wichtig für Jobaufnahme

Im Jahr 2018 waren im Durchschnitt 20.833 aus diesen vier Ländern in Beschäftigung. Zuletzt, im Juni 2019, waren es 27.955. Auch wenn in der warmen Jahreszeit die Beschäftigungslage allgemein besser ist, offenbart sich auch der Trend im Vergleich zum Vorjahresmonat, dem Juni 2018. Damals waren auch etwa 20.800 Personen aus diesen Ländern in Beschäftigung, um rund 7000 weniger.

Doch, wie auch AMS-Vorstand Johannes Kopf in der "ZiB2" am Sonntag bestätigte, sind es vor unqualifizierte und geringqualifizierte Tätigkeiten, in denen die Geflüchteten arbeiten. Es sind oft Jobs in sogenannten Einstiegsbranchen, etwa diverse Arbeiten in der Landwirtschaft. Oder auch in der Gastronomie, in der rund 20 Prozent aller Syrer, Iraner, Iraker und Afghanen arbeiten.

Die Frage ist, wie die langfristige Prognose aussieht. Denn die beschäftigten Flüchtlinge arbeiten oft prekär, oft nur kurz, ehe sie wieder andere Jobs finden. Das ist für den Einstieg auch in Ordnung, eine langfristige Perspektive ist dies freilich nicht. Eine Untersuchung, die an der Universität Wien durchgeführt wird, zeigt, dass es vor allem die Netzwerke sind, die Flüchtlinge in Arbeit bringen.

Das AMS spielt insofern eine wesentliche Rolle, da der Bezug der Mindestsicherung daran hängt. Wie die Untersuchung der Universität Wien zeigte, sind aber gerade für die neuankommenden Flüchtlinge die eigenen Netzwerke von besonders großer Bedeutung. Nur 15 Prozent der in der Studie befragten Geflüchteten hatten angegeben, über das AMS einen Job gefunden zu haben. Dafür 37 Prozent über Freunde aus Österreich.

Dass Netzwerke ganz zentral für die Arbeitsmarktintegration sind, ist keine neue Erkenntnis. Auch bei den bosnischen Flüchtlingen Anfang der 90er hatte es sich positiv ausgewirkt, dass bereits über die Gastarbeiteranwerbung zahlreiche Menschen aus dem (ehemaligen) Jugoslawien in Österreich waren. Und die Netzwerke sind auch ein Grund, weshalb es fast alle Geflüchteten nach Wien oder in andere Städte zieht, wenn sie Asyl erhalten.

Das ist allerdings wiederum eine Erschwernis für das AMS. Denn der heimische Arbeitsmarkt ist ein asynchroner. Im Westen fehlen die Arbeitskräfte, im Osten die Jobs - vereinfacht gesagt. Tatsächlich ist das Jobwachstum auch im Osten und in Wien vorhanden, aber der Zuzug ist eben noch größer. Das AMS versucht daher, Personen überregional zu vermitteln, etwa mit dem Programm "b.mobile". Diese überregionale Vermittlung gestaltet sich mühsam, die Erfolge sind überschaubar. Aber es gibt sie. Das AMS will diese Arbeit heuer intensivieren.