Wien. (ett) Allein in Niederösterreich waren zuletzt 21 Kassenstellen für Allgemeinmediziner nicht besetzt. Dabei hat Niederösterreichs Gebietskrankenkasse beim Abschluss im Dezember des Vorjahres eine rückwirkende Erhöhung der Honorare für Kinderärzte und Allgemeinmediziner um sechs Prozent zugestanden.

Aber auch in anderen Bundesländern werden in etlichen Gemeinden Hausärzte dringend gesucht. In Wien gibt es in Favoriten eine Förderung der Wiener Gebietskrankenkasse, um praktische Ärzte in Ordinationen in den mit 200.000 Einwohnern bevölkerungsreichsten Bezirk zu locken.

Angesichts der Schwierigkeiten bei der Besetzung von Hausarztpraxen und der Warnungen der Ärztekammer, dass sich die Situation wegen vieler Pensionierungen noch verschärfen werde, macht sich die Österreichische Gesundheitskasse nun selbst ein Bild. Die durch Fusion der Gebietskrankenkassen eben entstehende Einrichtung will Klarheit über die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung. Ziel ist es, eine flächendeckende Versorgung mit Kassenärzten sicherzustellen.

Über Antrag der SPÖ-Arbeitnehmervertreter im Überleitungsausschuss der Gesundheitskasse ist im Juli letztlich einstimmig grünes Licht für eine derartige Evaluierungsstudie gegeben worden. Diese soll bis Ende September vorliegen und zeigen, in welchen Regionen tatsächlich Versorgungslücken bestehen.

Gründe für unbesetzte Stellen abseits der Honorare

Arbeitnehmervertreter SPÖ-Gewerkschafter Andreas Huss verweist gegenüber der "Wiener Zeitung" darauf, dass in Salzburg nur zwei von 246 Kassenstellen für Hausärzte nicht besetzt seien. Es gebe aber Regionen in Nieder- und Oberösterreich sowie in der Steiermark, in denen die Lage anders sei. Dafür müssten Strategien entwickelt werden.

Am Geld für die Versorgung der Patienten dürfe das nach Ansicht von Huss nicht scheitern. Immerhin koste die Neuregelung der Sozialversicherung gerade wegen der Fusionskosten hunderte Millionen Euro. Seiner Meinung nach sind nicht die Honorare ausschlaggebend für den akuten Mangel. Unter Berufung auf Ergebnisse einer Landarztstudie in Salzburg nennt er andere Gründe. Dazu zählt die Sieben-Tage-Woche ("Das wollen die jungen Ärzte einfach nicht mehr"); Angst vor der Führung eines Unternehmens, das eine Praxis ja auch sei; und Vorbehalte, alleine statt mit anderen Gesundheitsberufen zusammenzuarbeiten.

Auf notwendige Verbesserungen bei der Ausbildung drängt die österreichische Gesellschaft für Allgemein- und Familienmedizin. Eine zentrale Ursache sei die postgraduale Ausbildung, wie in einer Aussendung hervorgehoben wird. Das Problem sei nicht ein Mangel an Studierenden, sondern ein Mangel an Jungärzten, die sich nach dem Studium dafür entscheiden und auch tatsächlich in Praxen für Allgemeinmediziner bleiben, meint Markus Brose, Arzt in Ausbildung für Allgemeinmedizin in Niederösterreich und Vorstandsmitglied der Jungen Allgemeinmedizin Österreich. Besonders in ländlichen Regionen sei die Förderung von unkomplizierten ärztlichen Formen der Zusammenarbeit unumgänglich, erklärt Susanne Rabady, Präsidentin der NÖ-Gesellschaft für Allgemein- und Familienmedizin.

1680 Plätze für neue Medizinstudenten

Die 1680 Studienplätze in Medizin in Wien, Innsbruck, Graz und Linz im Wintersemester 2019/20 sind jetzt nach dem Test von 12.960 Bewerbern vergeben. 982 Studienplätze (57,6 Prozent) gehen an weibliche Bewerber, 712 an Männern. 75 Prozent der Studienplätze mussten dabei an Österreicher vergeben werden.