Wien. Fast 64 Kilogramm Fleisch isst jeder Österreicher im Durchschnitt pro Jahr. Damit liegt sein Verbrauch nicht nur über dem europäischen Mittelwert, sondern übertrifft auch den seiner deutschen Nachbarn. In Deutschland wird derzeit angeregt über eine Fleischsteuer diskutiert; Umweltsteuern wie auch eine CO2-Steuer dominieren hier schon länger die politische Debatte. Es kommt daher nicht überraschend, dass die Forderung nach einer Fleischsteuer nun auch Österreich erreicht.

Der Fleischkonsum gilt als einer der größten Klimasünder weltweit: Die industrielle Tierhaltung ist für 20 bis 40 Prozent der klimaschädlichen Emissionen verantwortlich (je nachdem, welche Aspekte in die Haltung miteinbezogen werden). Laut einer Studie des Institute for Agriculture & Trade Policy werden mehr Treibhaus-Emissionen von den fünf größten Fleisch- und Molkereikonzernen der Welt produziert als von den drei größten Ölkonzernen.

Was Fleisch so klimaschädlich macht, sind vor allem Landnutzung, Ressourcenverschwendung, und der Transport. Für die Tiere muss Futter wie etwa Soja angebaut werden, außerdem benötigen sie Weideflächen. Darüber hinaus kommt nicht jedes Fleisch, das in Österreich verkauft wird, auch aus Österreich - teilweise legt es tausende Kilometer an Transportwegen zurück.

Liste Jetzt für Fleischsteuer

Während sich in Deutschland bereits Agrarpolitiker von CDU, SPD und den Grünen eine Fleischsteuer vorstellen können, sieht das hierzulande nur die Liste Jetzt vor: Diese fordert eine Fleischsteuer, die nicht nur klimafreundlich wirkt, sondern auch dem Tierwohl und der heimischen Landwirtschaft zugutekommt.

Ihr Vorschlag lautet, angelehnt an das deutsche Modell, die Mehrwertsteuer von Fleisch anzuheben: Statt des ermäßigten Steuersatzes von 10 Prozent sollen die regulären 20 Prozent bezahlt werden. Dies beträfe aber nur konventionelles und "Billigfleisch", für Biofleisch würde weiterhin der ermäßigte Steuersatz gelten.



Gemäß einer Studie des Nachhaltigkeitsministeriums geben die Österreicherinnen und Österreicher knapp 600 Euro monatlich für Fleisch aus - so viel wie für kein anderes Lebensmittel. Nur etwa 21 Euro davon fließen in biologisch angebautes Fleisch, der Rest in konventionelle oder billige Produkte.

Bei einer Pressekonferenz am Dienstag rechnete Bernd Nussbauer - er ist der wirtschaftspolitische Sprecher der Jetzt-Partei - vor, dass die Fleischsteuer um die 200 Millionen Euro an Mehreinnahmen bedeuten würde. Die Mehrbelastung für Konsumenten läge durchschnittlich bei etwa 4,30 Euro im Monat.