Das jüngste Beispiel eines Verbotes aus Umweltschutzgründen war jenes für bestimmte Plastikprodukte. Wirklich groß war die Aufregung darüber nicht.

Nein, es ist von der Bevölkerung nicht negativ aufgenommen worden. Damit eine Maßnahme akzeptiert wird, muss sie klar kommuniziert und erklärt werden, und es braucht gute Alternativen. Dann gibt es hohe Zustimmungsraten. Wir wissen aus der Verhaltensforschung: Wenn zwar gesagt wird, Plastiksackerl seien schlecht. Aber bei der Supermarktkassa liegen kostenlose Plastiksackerl, dann nehmen wir sie trotzdem. Da helfen dann einfach auch Verbote.

Gehen wir zeitlich zurück. Vor ein paar Jahren wurde die alte Glühbirne verboten. Das war schon von Debatten begleitet, zumal die Alternativen anfänglich nicht so gut waren. Mittlerweile hat sich technisch viel getan. Ist die Glühbirne ein gutes Beispiel, dass sich die Politik vor Verboten nicht fürchten muss?

Streng genommen war es kein Verbot. Es wurden Mindeststandards für Beleuchtungskörper gesetzt. Diese Ökodesign-Richtlinie war aber eine echte Erfolgsstory, weil sie Innovation anreizte. Es führte dazu, dass die Unternehmen ihre besten Ingenieure dazu brachten, darüber nachzudenken, wie Produkte umweltfreundlicher werden. Nicht nur, wie mehr Geld verdient werden kann. Es ist eine Win-win-win-Situation: Der Konsument kann Kosten sparen, in der Industrie wird Innovation angereizt, und es gibt weniger Umweltverbrauch. Heute will niemand mehr eine alte Glühbirne, die eine Energieeffizienz von fünf Prozent hat. Das ist im Sommer ein kleiner Ofen.

Also rein auf Basis der Freiwilligkeit funktioniert es nicht?

Wir wissen aus vielen Beispielen, dass es mit freiwilligen Vereinbarungen oft nicht funktioniert. Es gibt auch Studien dazu. Sie funktionieren nur dann, wenn die Industrie bei Nicht-Erfüllung die Rute im Fenster hat, dass dann Ordnungsrecht kommt. Wir hatten so einen Fall in der Automobilindustrie. Da gab es Flächengrenzwerte für den CO2-Ausstoß, aber die freiwillige Vereinbarung hat keine messbare Verbesserung gebracht, sie ist sogar schlicht ignoriert worden. Jetzt gibt es eine ordnungsrechtliche Regelung. Und da ist dann auch noch getrickst worden. Auf dem Papier waren die Fahrzeuge effizienter, aber nicht in der Realität. Während der österreichischen EU-Ratspräsidentschaft haben wir eine neue Vereinbarung federführend verhandelt - inklusive strengem Compliance-Regime, damit eben möglichst nicht getrickst wird. Und wir haben eine ähnliche Regelung auch bei den Lkw zustande gebracht. Die Autoindustrie spürt zum ersten Mal Druck durch die neue Regulierung. VW-Chef Herbert Diess hat auch schon gesagt, dass die Regelung eine der Haupttriebfedern ist, dass VW jetzt auf Elektromobilität setzt. Von sich heraus hat die Autoindustrie immer größere, schwerere Autos gebaut, die im Verbrauch stärker waren. Das ist mit forciertem Klimaschutz nicht zu vereinbaren.