Wien. Jetzt geht Heinz-Christian Strache in die Gegenoffensive. Wegen der Ermittlungen der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft zu den Vorwürfen des Postenschachers rund um die Besetzung eines Vorstandspostens bei den Casinos Austria, die zu Hausdurchsuchungen geführt haben, wehrte sich der Ex-FPÖ-Obmann am Freitag. Im "Kurier" sagte er: "Die Vorwürfe sind völlig absurd und ein Vollholler."

Auslöser für die Aktivitäten der Justiz war eine anonyme Anzeige, nach der es kurz vor der Bestellung des Casino-Austria-Vorstandes zu einem "Abstimmungsgespräch" Straches mit dem damaligen Bundeskanzler Sebastian Kurz gekommen sei. Strache hält die anonyme Anzeige eines Unbekannten für einen Skandal: "Die Hausdurchsuchung wurde willkürlich und ohne jegliche Grundlage durchgeführt. Das ist eine Farce."

Er verstehe auch nicht, warum bei ihm eine Hausdurchsuchung durchgeführt worden sei, aber bei Kurz nicht, obwohl er mit diesem angeblich ein Abstimmungsgespräch rund um die Ernennung des Wiener FPÖ-Bezirksrates Peter Sidlo zum Casino-Vorstand geführt haben soll. Es sei grundsätzlich "doch ganz normal", mit dem Regierungspartner über Nominierungen zu sprechen, meinte der Ex-Vizekanzler im "Kurier". Der Vorschlag zur Bestellung Sidlos sei dann vom Glücksspielkonzern Novomatic gekommen, Sidlo sei aber auch sein Vorschlag gewesen. Strache räumte auch ein, mit Casino-Vorstandschefin Bettina Glatz-Kremsner und Novomatic-Chef Harald Neumann Vorgespräche geführt zu haben.

Staatsanwälte gegen ÖVP-Kritik

Zuvor sorgte die Beantwortung einer parlamentarischen Anfrage der Neos durch Interims-Justizminister Clemens Jabloner für Aufregung. Aus dieser geht hervor, dass die Korruptionsstaatsanwaltschaft vorerst nicht ausschließen kann, dass es eine Verbindung zwischen der Schredder-Affäre eines ÖVP-Mitarbeiters aus dem Kabinett von Ex-Kanzler Kurz und dem Ibiza-Video gibt.

Die ÖVP spricht seither von einem "Schmutzkübel-Wahlkampf" gegen sie und droht damit, jeden zu klagen, der behauptet, dass die Partei etwas mit jenem Video zu tun hat, das die ehemals türkis-blaue Regierung sprengte.

Im ORF-Radiosender Ö1 wischt die Staatsanwälte-Vereinigung die Drohungen der ÖVP vom Tisch. Ihre Präsidentin Cornelia Koller sagt, bei den Ibiza-Ermittlungen sei alles "völlig korrekt" abgelaufen. Die Staatsanwaltschaft prüfe jede Anzeige auf den Inhalt.

Gudenus klagt Wiener Anwalt

Unterdessen hat Ex-FPÖ-Klubchef Johann Gudenus Klage gegen den mutmaßlichen Drahtzieher des Ibiza-Videos, ein Anwalt aus Wien, eingereicht. Das berichtete Ö1 am Freitag. Gudenus will die Löschung des Videos erwirken, wirft dem Drahtzieher hinterlistige Täuschung und den Missbrauch von Abhörgeräten vor.