Wien. (sir/apa) Es gibt nur eine Handvoll Personen, die die iberischen Liebesgrüße aus Moskau volle sieben Stunden gesehen haben. Zwei von ihnen sind die beiden Journalisten der "Süddeutschen Zeitung" Frederik Obermaier und Bastian Obermayer, sie hatten gemeinsam mit dem "Spiegel" das verfängliche Video erhalten, das Heinz-Christian Strache und Johann Gudenus - zumindest vorläufig - die politische Karriere kostete.

Am 22. August erscheint nun ein Buch der beiden Journalisten über die Ibiza-Affäre: "Innenansichten eines Skandals" (Verlag Kiepenheuer & Witsch). Der Sukkus der Erzählung ist, dass Strache und Gudenus im Sommer 2017 auf Ibiza nicht nur wenige Minuten über mögliche illegale Parteispenden, die Übernahme der "Kronen Zeitung", die Verteilung von Staatsaufträgen und einer Teilprivatisierung des Wassers an russische Oligarchen fantasiert, sondern an diesem Abend stundenlang und hauptsächlich über diese Dinge gesprochen haben. Veröffentlicht wurden von der "Süddeutschen" nur wenige Minuten.

Obermaier und Obermayer beschreiben in einem zweiten Erzählstrang auch sehr detailreich, wie die Zeitungsgeschichte entstanden ist. So mussten sie monatelang auf das Video warten und den Informanten immer wieder ihre Arbeitsweise erklären.

Was vielleicht wirklich neu ist: Die beiden Journalisten geben in dem Buch an, den russischen Lockvogel getroffen zu haben. Sie seien selbst immer wieder von Zweifeln gepackt worden, weshalb sie auf ein Treffen mit der falschen Oligarchennichte bestanden hätten. Dieses habe ihre Bedenken ausgeräumt.

Journalisten berufen sich
auf Quellenschutz

Die Fragen, die auch in Österreich in den vergangenen Wochen und Monaten gestellt wurden über die Hinter- und Beweggründe jener Personen, die das Video produziert und/oder weitergegeben haben, stellten sich die beiden Journalisten auch. Und sie erhielten auch Antworten. Sie fragten etwa, warum das Video erst zwei Jahre später publik wurde, wer der Auftraggeber war, wer die Idee dazu hatte, wer alles bezahlt hat, wer die Lockvögel waren und vieles mehr. Dem Leser bleiben diese Details jedoch verborgen. Der Quellenschutz steht für die Autoren an erster Stelle.

Genau das wird wohl für manche unbefriedigend sein. Doch der Informantenschutz ist eben ein wesentliches Recht, und er ist für eine freie Presse unabdingbar. Das hat auch der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) in einer Entscheidung erkannt, in der er sich auf Artikel 10 der Menschenrechtskonvention zur freien Meinungsäußerung berief. "Der Informantenschutz gehört laut Rechtsprechung auch dazu, er sichert das Grundrecht auf freie Meinungsäußerung, insbesondere das der freien Presse", sagt der Medienanwalt und Verfassungsrichter Michael Rami.