Wien. In der FPÖ steht ein radikaler Schnitt nach der 14 Jahre dauernden Ära unter Ex-Obmann Heinz-Christian Strache bevor. Der amtierende FPÖ-Bundesparteichef Norbert Hofer kündigt für Herbst einen Neubeginn an. Er geht damit mitten im Nationalratswahlkampf noch mehr auf Distanz zu Strache. Gegen diesen wird wegen der Ibiza-Affäre und wegen des Verdachts eines Postenschacherdeals mit dem Glücksspielkonzern Novomatic bei der Bestellung eines Vorstandspostens bei den teilstaatlichen Casinos Austria ermittelt.

Hofer nahm am Mittwoch bei der Ankündigung, die FPÖ mit Veränderungen "in eine positive Zukunft zu führen", ausdrücklich auf die Schwierigkeiten für die Freiheitlichen durch seinen Vorgänger Bezug, ohne Straches Namen zu nennen. "Das Ibiza-Video ist eine Zäsur in der Geschichte der FPÖ", betonte Hofer in einer Parteiaussendung. Ob das einen Sonderparteitag zu neuem Kurs und Personal nach der Nationalratswahl bedeute? "Das wird zu gegebener Zeit dann präsentiert", wurde der "Wiener Zeitung" in der FPÖ geantwortet.

Mit seiner Ankündigung nabelte sich Hofer noch stärker von Strache im internen Machtkampf ab. Strache hatte erst am vergangenen Freitag ein Comeback bei der Wiener Gemeinderatswahl 2020 nicht ausgeschlossen, Hofer hat jedoch am Montag im ORF-"Sommergespräch" eine schnelle Rückkehr Straches ausgeschlossen. Das sei nur möglich, wenn alle rechtlichen Vorwürfe ausgeräumt seien.

Rückendeckung durch
blaues Urgestein Mölzer

Der blaue Parteichef und FPÖ-Spitzenkandidat ist bemüht, vor der Wahl den Österreichern einen Trennstrich besonders zu den Vorwürfen des Postenschachers zu signalisieren. Hofer begründete seinen Vorstoß mit Aussagen des Parteiideologen Andreas Mölzer, der "ein Urgestein und Vordenker dieser Partei" sei. Mölzer, lange Zeit Unterstützer Straches, hat in einem Gastkommentar für die "Kleine Zeitung" mit der Partei abgerechnet und ihr bei Postenbesetzungen Doppelmoral und Dilettantismus vorgeworfen. Die Freiheitlichen würden sich "bei ihrem Bestreben, den Proporz zur Hälfte auf Blau umzufärben, überaus ungeschickt anstellen".

Hofer betonte unter Bezug darauf, er habe sehr konkrete Vorstellungen, "was die Zukunft und den Stellenwert der FPÖ als staatstragende Partei in diesem Land betrifft". Er werde im Herbst die "organisatorischen und personellen Weichenstellungen vornehmen", damit die FPÖ in eine positive Zukunft geführt werde. An die Adresse der eigenen Partei und offenbar an die Anhänger von Heinz-Christian Strache gerichtet, bekräftigte der designierte FPÖ-Obmann: "Ich werde dazu keine Kompromisse eingehen. Ich habe diese Aufgabe nicht übernommen, weil sie leicht ist." Es sei vielmehr eine "Herausforderung, die ich zu meistern gedenke". Strache ist bisher nach wie vor nicht aus der Partei ausgeschlossen worden.