Die Neos wollen also die Grenzen der Steuertarifstufen, jene von 11.000 Euro, die steuerfrei sind, genauso wie jene ab dem 90.000sten Euro, wo für jeden weiteren 50 Prozent Steuer fällig sind, mit der Teuerung laufend erhöhen. Dass das denjenigen mit dem größten Einkommen mehr bringt als jenen mit mittleren, stört Loacker nicht: "Es ist eine Frage der Gerechtigkeit: Auch die 11.000 Euro von 2009 müssten heute bereits bei 14.000 Euro liegen." Das betreffe auch ganz viele Kleinverdiener, sagt er auf Nachfrage der "Wiener Zeitung".

Andreas Hanger, ÖVP-Nationalratsabgeordneter, rechnet außerdem mit Daten des Budgetdienstes vor, dass das Volumen der Steuerreduktion bei 4,5 Milliarden Euro läge, ÖVP-FPÖ-Pläne aber bei acht Milliarden.

Geringere Beiträge zur Sozialversicherung

Andreas Hanger, ÖVP-Nationalratsabgeordneter, blieb bei dem in der vergangenen ÖVP-FPÖ-Regierung formulierten "Pakt": "Unsere Aufgabe ist es, die Menschen zu entlasten", bemüht er den Stehsatz erneut. Man wolle noch vor den Wahlen im Nationalrat die Sozialversicherungsbeiträge niedriger Einkommen senken.

Dem sollten kleinere Maßnahmen für Unternehmer folgen, wie etwa ein höherer Grenzbetrag, bis zu dem diese die Umsatzsatzsteuer pauschal abführen können, und steuerfreie Ausschüttungen an Mitarbeiter von 3000 Euro jährlich; bis 2023 hatte die Ex-Regierung acht Milliarden Euro weniger Steuern für Arbeitnehmer und Unternehmer geplant.

Dem FPÖ-Vertreter in der Diskussion, dem Abgeordneten Erwin Angerer, bleibt die Aufgabe, die Dikussion um die Aspekte Familienbonus und weniger Arbeitslosenversicherungsbeiträge zu ergänzen. Und: "Unser Zugang ist: keine neuen Steuern."

Auch das Credo von ÖVP und FPÖ: "Wir haben kein Einnahmenproblem, sondern ein Ausgabenproblem", bringt er erneut unters Volk. Das Geld dafür will er bei - nicht näher konkretisierten - Föderalismusreformen und durch weniger Beamte einsparen. Angerer will etwa Aufgaben des Bundes an Länder übertragen, jene im Straßenbau zum Beispiel: "Wir brauchen niemanden aus Wien, der uns sagt, was wir da zu tun haben", sagt der Kärntner Angerer. "Da muss nicht ein teurer Ministerialrat nach Kärnten fahren, wie der Kaiser früher."

Die geringe Arbeitslosigkeit helfe, "das Geld aus der Phase der Überschüsse für Entlastungen zu nutzen", ergänzt Hanger. Das Wirtschaftswachstum wird laut Prognosen allerdings bald wieder schwächeln, die Arbeitslosigkeit steigen. Hanger versichert gegenüber der "Wiener Zeitung" trotzdem, dass das geht: "Das haben wir bereits einberechnet."

Aus der Klimakrise steuern

Markus Koza, der für die Grünen bei der Nationalratswahl kandidiert, glaubt das nicht. Er rechnet vor, dass die von ÖVP und FPÖ angestrebte Abgabenquote von 40 Prozent jährlich elf Milliarden Euro, jene von den Neos mit 39 Prozent gar 14 Milliarden Euro weniger Einnahmen bringen würde: "Das ist das gesamte Budget für Bildung, Kunst und Kultur." Weil Bildung und Soziales rund 70 Prozent der staatlichen Ausgaben ausmachen, fragt Koza: "Wo wollen Sie einsparen? Wollen Sie Pensionen senken? Oder Bildung streichen? Das, was Sie vorhaben, geht schlichtweg bei einer schlechten Konjunktur nicht."