Graz/Wien. Die FPÖ hat nach dem Ibiza-bedingten Rücktritt von Heinz-Christian Strache wieder einen neuen Bundesparteiobmann. Die Delegierten wählten am Samstag in Graz den designierten FPÖ-Chef Norbert Hofer mit 98,25 Prozent nun auch offiziell an die Parteispitze. Dieser versprach seiner Partei nicht nur ein Bemühen um die Fortsetzung von Türkis-Blau, sondern längerfristig auch den Angriff auf Platz 1.

Der Parteitag in der Grazer Messehalle stand ganz im Zeichen des Nationalratswahlkampfes und damit dem Bemühen Hofers um eine Fortsetzung der im Mai gescheiterten türkis-blauen Koalition. Dies sei aber nur "ein Angebot", versuchte Hofer in seiner Parteitagsrede vor der Obmann-Wahl eine Klarstellung. "Das ist keine Bitte", sagte er, "denn wir könne Opposition sehr gut". Die ÖVP warnte er vor einem Ausschlagen seines Koalition-"Angebots". Denn bei einer anderen Variante würden deren Umfragewerte "ganz schnell bei der Ära Mitterlehner landen", nämlich bei 20 Prozent.

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Kickl holt zum Rundumschlag aus

Und es werde auch "nicht leicht werden, mit uns zu verhandeln", richtete er der ÖVP aus. Bei Punkten wie etwa der Direkten Demokratie, den "ORF-Zwangsgebühren", der FPÖ-Forderung nach der finanziellen Ausstattung des Bundesheeres und "dem einen oder anderen Bereich, auch personeller Natur" werde es sich spreizen. Damit sprach der neue Parteichef das Reizthema Herbert Kickl an, dessen neuerliche Einsetzung als Innenminister die ÖVP bekanntlich strikt ablehnt. Er werde darum kämpfen, "mit einem guten Wahlergebnis, dass Herbert Kickl wieder Innenminister wird", versprach Hofer den Delegierten.

Der Angesprochene holte dann zum heftigen Rundumschlag vor allem gegen ÖVP und SPÖ aus. Die FPÖ werde "mit Sicherheit" zu keiner "Außenstelle des Sebastian Kurz-Anbetungsvereins", werden, so Kickl, der als letzter Redner unmittelbar vor der Wahl den Einpeitscher gab. Mit Sagern wie "faulen Früchten der Willkommenspolitik" oder der Bezeichnung von Flüchtlingen als "Facharbeiter für das Hantieren unter der Gürtellinie" sorgte er beim Asyl- und Migrationsthema für lautstarken Beifall. Und er richtete der ÖVP aus, dass die FPÖ sehr wohl Anspruch auf den Innenminister stellt: "Es braucht einen starken Innenminister, einen freiheitlichen Innenminister."

 

Hofer mit 786 der 801 abgegebenen Stimmen gewählt