SPÖ-Kärnten-Spitzenkandidat Philip Kucher. - © Christian Drobny
SPÖ-Kärnten-Spitzenkandidat Philip Kucher. - © Christian Drobny

Um die SPÖ stand es schon einmal besser. Der rote Blick auf die Umfragen ist getrübt. Die einstige Großpartei droht mit etwa 22 Prozent weit unter ihr bisher schlechtestes Ergebnis bei einer Nationalratswahl zu fallen. 2013 erreichte die SPÖ unter Werner Faymann 26,82 Prozent. Sein Nachfolger Christian Kern verblieb vier Jahre später gerade noch so auf diesem Niveau, weil viele Grüne SPÖ wählten, um Türkis-Blau zu verhindern.

Diesmal könnte das Unheil wahr werden. Die Grünen wählen wieder Grün, die ÖVP ist 13 Prozentpunkte vor Rot. Für SPÖ-Kärnten-Spitzenkandidat Philip Kucher ist es für eine endgültige Prognose noch zu früh. Er vertraut auf seine eigene Serie.

"Wiener Zeitung": Herr Kucher, laut Ihrem Lebenslauf waren Sie praktisch immer in der Politik. Wie kam es dazu?

Philip Kucher: Es klingt kitschig, aber das hat in der vierten Volksschulklasse angefangen. Damals hatten wir ein Tierschutz-Projekt in der Schule. Da ging es um unorthodoxe Jagdmethoden und Tierversuche. Mir ist das nahegegangen und ich hatte das Gefühl, wenn Ungerechtigkeiten passieren, reicht es nicht, das einfach nur zu wissen. In Klagenfurt habe ich dann eine Jugendgruppe beim Tierschutzverein gegründet. So richtig politisch engagiert habe ich mich dann aber erst 2000 gegen die Einführung von Studiengebühren und bei den Donnerstagsdemos. Einer meiner prägenden Momente war aber der Zivildienst beim Roten Kreuz. Dort habe ich die sozialen Schicksale und die unterschiedlichen Lebenschancen der Leute gespürt.

In die Politik gerät man so hinein. Ich konnte mir damals nie vorstellen, dass ich klassisch in die Politik gehe. Ich kann mir heute auch keinesfalls vorstellen, als Politiker in Pension zu gehen. Solange das Feuer da ist, will ich weitermachen, und dann wird irgendwann der Punkt da sein, an dem ich etwas ganz anderes mache.

Es begann mit dem Tierschutz. Waren die Grünen nie ein Thema?

Ich habe mich mit den Grünen immer etwas schwergetan, weil dort viel theoretisiert, aber wenig angepackt wird. Ich habe das an der Uni und in der Klagenfurter Stadtpolitik erlebt. In den Wahlkämpfen sind sie sehr stark, wenn es konkret um die Arbeit gegangen ist, dann sind sie eher ein Debattierzirkel, der zur Selbstzerfleischung neigt. Das war mir zu schade um die Zeit.

Selbstzerfleischung kann auch die SPÖ. Das hat auch mit einflussreichen Institutionsinteressen wie der Gewerkschaft zu tun. Sie sind mit Mitte 20 SPÖ-Politiker geworden. Junge sind oft idealistisch. Ist das schwierig in einer großen Partei mit "komplizierten" Interessen?