Was hat sich seither im Parlament verändert? Sie kennen es von Oppositions- und Regierungsseite.

In der Opposition treibt man die Regierung vor sich her, als Regierungspartei versucht man, das Land zu gestalten. Und ich halte die Regierungsfunktion als eine für die Partei ganz wesentliche. Weil so lustig die Rhetorik in der Opposition ist, so wenig kann man bewirken. Was den Parlamentarismus allgemein betrifft, finde ich, dass es in den letzten Jahren aggressiver geworden ist.

Aber die FPÖ war auch stets aggressiv.

Es soll ja auch gestritten werden. Je mehr rhetorisch gestritten wird, desto weniger wird draußen mit anderen Mitteln gestritten. Es ist aber ein persönlich aggressiver Tonfall. Den gab es früher so nicht.

Als Gesundheitssprecherin waren Sie mit großen gesundheitspolitischen Themen beschäftigt, vor allem mit der Reform der Sozialversicherung. Ein leidenschaftliches Thema für Sie?

Es begleitet mich seit meinem ersten Tag im Parlament. Das war immer ein freiheitliches Thema, ist aber nie realisiert worden - aus verschiedenen Gründen. Mir ist wichtig, das Gesundheitswesen zukunftsfit zu machen. Und dass etwa das Honorierungssystem überholt ist, sieht man, wenn es in Wien doppelt so viele Wahlärzte wie Kassenärzte gibt. Jetzt wären die nächsten Schritte angestanden: die gesamtvertragliche Lösung im Ärztebereich und die Erneuerung des Leistungskatalogs - ein ganz wichtiger Schritt.

Ein anderes Thema ist der drohende Hausärztemangel. Dafür gibt es einen fertigen, umfassenden Masterplan der Interessenvertretung ÖGAM, die zur Attraktivierung des Hausarztes vorschlägt, dass der Allgemeinmediziner zum Facharzt werden soll.

Da stehen wir voll dahinter.

Das wird dann aber teuer.

Ja, Gesundheit ist teuer. Wenn wir den Anspruch erheben, ein Gesundheitssystem zu haben mit einer Versorgung, wie wir sie jetzt haben, dann wird das was kosten. Und es wird sicher nicht günstiger werden. Das gesamte Gesundheitswesen braucht eine Reform im Personal- sowie Strukturbereich. Der Ärztemangel hat nicht eine Ursache, sondern mehrere, es gibt auch nicht ein Rezept dagegen. Wir müssen uns auch mit der Organisationsform im niedergelassenen und im Spitalsbereich befassen und in der Struktur der Spitäler etwas ändern. Die Ambulanzen sind überfüllt. In der ersten schwarz-blauen Koalition hatten wir die Ambulanzgebühren.

. . .die vom Verfassungsgerichtshof aufgehoben wurden.

Ja, und sie waren nicht lange genug in Kraft, um zu evaluieren, ob sie überhaupt etwas bringen. Aber es gehen zu viele Menschen in Ambulanzen, die in den niedergelassenen Bereich gehören. Es gibt überhaupt keine Patientenlenkung.